Es ist eines dieser Tore, die sich ins deutsche Fußballgedächtnis eingebrannt haben. 19. Mai 2001, letzter Spieltag der Bundesliga, Nachspielzeit im Hamburger Volksparkstadion: Patrik Andersson tritt zum Freistoß an und erzielt das 1:1 für den FC Bayern beim Hamburger SV. Der Punktgewinn beschert den Münchnern eine Deutsche Meisterschaft, die Schalke 04 hunderte Kilometer entfernt schon sicher geglaubt und gefeiert hatte. Für die einen der schmerzhafteste Moment ihrer Vereinsgeschichte, für die anderen der Inbegriff ihrer „Last-Minute-Meisterschaft“. Und mittendrin: ein schwedischer Innenverteidiger, der eigentlich nicht für solche Momente berühmt war.
Patrik Andersson, heute 54 Jahre alt, war nie der Lauteste auf dem Platz, aber immer einer der Verlässlichsten. Der ehemalige Kapitän der schwedischen Nationalmannschaft spielte für Malmö FF, Borussia Mönchengladbach und den FC Bayern, gewann Meisterschaften in Schweden und Deutschland und erreichte mit Schweden das EM-Halbfinale 1992 sowie das WM-Viertelfinale 1994. Was macht er heute?
Frage: Herr Andersson, Sie waren zuletzt sieben Jahre im Vorstand des Verbands für Frauenfußball in Schweden. Wer ist ihre Lieblingsspielerin?
Patrik Andersson: Ich bin Fan von eurer Nationalspielerin Jule Brand. Sie hat mich bei der EM im Sommer sehr beeindruckt.
Frage: Was schätzen Sie an ihr?
Andersson: Ihre hohe Laufbereitschaft. Sie spult ein Wahnsinnspensum ab. Außerdem schätze ich ihre Fähigkeiten als Führungsspielerin. Man sieht in jeder Szene, wie sie die Kolleginnen immer wieder pusht, mit super Einsatz vorangeht. Typisch deutsche Eigenschaften eben.
Frage: Warum haben Sie als Funktionär im Frauenfußball aufgehört?
Andersson: Es wurde einfach alles zu viel. Ich bin hauptberuflich bei einer Investment-Bank tätig. Seit 25 Jahren bereits.
Frage: Haben Sie während Ihrer Karriere als Fußball-Profi eine Banklehre gemacht oder studiert?
Andersson: Nein, ich habe mir all mein Fachwissen mit der Zeit angeeignet. Learning by doing. Aber das ist längst nicht alles, ich bin ja auch im Ski-Zirkus aktiv.
Frage: Was machen Sie da genau?
Andersson: Ich kümmere mich für eine Sportmarketing-Firma um die Ski Classics (internationale Rennserie; d. Red.).
Frage: Stehen Sie auch selbst auf den Brettern?
Andersson: Natürlich. Seit 2019 habe ich schon mehrere Rennen bestritten, auf der Profi-Tour sind einige auch offen für Amateure. Vergangenes Jahr habe ich drei Rennen absolviert, das längste war in Schweden über 90 Kilometer.
Frage: Dafür müssen Sie ja ziemlich fit sein.
Andersson: Stimmt. Da nicht immer genug Schnee liegt, um draußen trainieren zu können, habe ich eine Ski-Maschine zu Hause. Jeden Morgen stehe ich da drauf. Mit Langlauf, Tennis und Padel-Tennis halte ich mich fit.
Frage: Als Weltklasse-Verteidiger wurden Sie 2001 mit dem FC Bayern Champions-League-Sieger. Was kann der FC Bayern in diesem Jahr erreichen?
Andersson: Vincent Kompany wird am Champions-League-Sieg gemessen, das wird immer das große Ziel sein. Paris ist ein gutes Beispiel für Bayern. Trotz gigantischer Transfer-Ausgaben haben sie jahrelang international nichts gewonnen. Mit einheimischen Top-Stars wie Ousmane Dembélé und einigen Talenten spielen sie schnellen, tollen Fußball, schießen viele Tore. Und haben so im Sommer auch die Königsklasse gewonnen. Bayern ist auf einem ähnlichen Weg.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) erstellt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.
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