Viermal hat die neue DFL-Expertengruppe, zu der auch Trainer-Legende Jürgen Klopp (58), Weltmeister Sami Khedira (38), Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche (45), DFL-Geschäftsführer Marc Lenz (39) und DFB-Sportgeschäftsführer Andreas Rettig (62) gehören, bislang getagt – jede Sitzung dauerte vier bis fünf Stunden, in denen über die sportliche Zukunft des deutschen Fußballs diskutiert wurde. Jetzt liegt das erste Ergebnis vor.

Die kriselnde Talententwicklung soll vorangetrieben werden, indem schon zur Saison 2026/27 eine U21-Liga eingeführt wird. Das DFL-Präsidium beantragt auf der Mitgliederversammlung am 3. März die Verankerung einer Spielordnung, über die die 36 Profiklubs abstimmen.

Es handelt sich um ein Angebot der DFL, die Teilnahme ist freiwillig. Die Klubs haben bis 15. Juni Zeit, sich zu entscheiden, an der ersten Halbserie (August bis Dezember 2026) teilzunehmen. Stichtag für die zweite Halbserie (Januar bis April 2027) ist der 15. Januar.

Ziel ist, dass Top-Talente mehr Spielpraxis im Übergangsbereich zum Senioren-Fußball auf Wettbewerbsniveau bekommen. Und die Ausbildungszeit nach der U19 verlängert wird durch die U21-Liga.

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Ein Vergleich mit Europas Topligen belegt die Notwendigkeit: Nur neun deutsche Klubs gehören zu den 100 produktivsten Akademien Europas. Während in Deutschland nur 338 Spieler aus dem eigenen Nachwuchs kommen, sind es in Spanien 527, in Frankreich 633 und in England 641.

Regionalliga-Problematik bleibt davon unberührt

Fast 85 Prozent der Spielminuten in der Bundesliga entfallen auf eingekaufte fertige Spieler (ab 23 Jahren/51,2 %), eingekaufte junge Profis über 23 Jahre (ab 19 Jahren im Verein/23,5 %) und eingekaufte U23-Profis (ab 19 im Verein/10,2 %).

Nur 2,4 Prozent entfallen auf selbst ausgebildete Talente im Alter von unter 23 Jahren, die bereits vor ihrem 16. Geburtstag im Verein spielten. Weitere 5,2 Prozent auf selbst ausgebildete Talente, die seit 16 im Verein und heute über 23 Jahre alt sind.

Die neue U21-Liga ist ein Zusatzwettbewerb und dient nicht dazu, die Regionalliga-Problematik – diskutiert wird in einer DFB-AG eine Reduzierung von fünf auf vier Staffeln, damit jeder Meister in die 3. Liga aufsteigen kann – zu lösen. Die zweiten Mannschaften der Profiklubs werden (vorerst) nicht aus dem Ligen-System herausgelöst.

Gespielt wird im Schweizer Modell, das auch in der Champions League gilt. Bedeutet: Jede U21 bestreitet während der Ligaphase einer Halbserie mindestens sechs Partien gegen unterschiedliche Gegner. Optional können Klubs mehr Spiele wahrnehmen. Die beiden Halbserien einer Saison werden separat gewertet. Im Mai 2027 findet ein Final-Four-Turnier der besten zwei Teams jeder Halbserie mit Halbfinals, Spiel um Platz drei und Endspiel statt.

Keine Zuschauer in der Ligaphase

Um den Organisationsaufwand (Ordner, Sanitäter, Catering etc.) so gering wie möglich zu halten, wird in der Ligaphase ohne Zuschauer gespielt. Erst beim Final Four, das der DFL neue TV-Vermarktungsmöglichkeiten bietet, könnten Fans zugelassen werden.

Als Folge der Bitte der Klubs um größtmögliche Flexibilität bei der Kadermeldung für jedes Spiel muss der DFL erst am Vorabend gemeldet werden, wer dabei ist.

Um die Reisekosten für die Klubs so gering wie möglich zu halten – ausgegangen wird von je 30.000 Euro pro Verein und Saison –, finden die Spiele im Umkreis von maximal 250 Kilometern statt. Dadurch kommen auch Drittspielorte infrage. Ein fiktives Beispiel: Ein Spiel von Holstein Kiel gegen Borussia Dortmund könnte im Nachwuchsleistungszentrum von Werder Bremen stattfinden.

Heiß diskutiert wurde in der Expertengruppe, wer spielberechtigt ist. Am Ende einigte man sich: nicht nur U21-Talente. Sondern auch Rekonvaleszenten aus dem Profikader, damit diese wie zuletzt Bayerns Jamal Musiala (22) nach einer längeren Verletzungspause erste Spielpraxis sammeln können. Maximal dürfen vier ältere Profis je Klub auflaufen. So sollen Talente gegen stärkere Gegenspieler mehr gefordert werden als nur von Gleichaltrigen.

Damit viele Talente möglichst viel Spielpraxis in der neuen U21-Liga sammeln, sind unbegrenzte Wechsel möglich.

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) erstellt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.

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