D er ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter hat sich in die als Reaktion auf den Kurs der US-Regierung entbrannte Debatte um einen Fan-Boykott der Fußball-WM im Sommer eingemischt. Der 89-Jährige verbreitete auf dem Portal X ein Zitat des Strafrechtlers und ehemaligen Fifa-Kommissionspräsidenten Mark Pieth aus einem Interview des Schweizer „Tagesanzeigers“ und schrieb dazu: „Ich denke, Mark Pieth hat recht damit, diese WM infrage zu stellen.“

Pieth hatte in dem vor wenigen Tagen erschienenen Interview gesagt: „Wenn wir jetzt alles zusammennehmen, worüber wir geredet haben, gibt es für die Fans nur einen Rat: Bleibt weg von den USA! Ihr seht es am Fernseher sowieso besser. Und: Bei der Einreise müssen Fans damit rechnen, dass sie, wenn sie den Beamten nicht gefallen, direkt in den nächsten Flieger nach Hause geschickt werden. Wenn sie Glück haben.“

Wenn nicht, würden sie „nach Mittelamerika deportiert. Das sind die Realitäten. Das Harmloseste ist, dass die Beamten einem das Handy auseinandernehmen und nachschauen, ob man etwas Negatives über Trump geschrieben hat“, mahnte der 72-Jährige.

Hintergrund für seine Aussagen ist die höchst angespannte politische Lage in den USA. Seit Monaten geht die US-Einwanderungsbehörde ICE mit Härte gegen mutmaßlich illegale Immigranten vor. Zuletzt sind innerhalb kurzer Zeit zwei Menschen im Bundesstaat Minnesota durch Schüsse von Beamten zu Tode gekommen. Präsident Donald Trump nimmt die ICE-Männer dagegen in Schutz.

„In Mexiko sind es die Drogenbanden, in den USA ein autoritär werdender Staat“

„Was wir innenpolitisch erleben“, sagte, Pieth sei die „Marginalisierung politischer Gegner, die Übergriffe der Einwanderungsbehörden und so weiter, macht einen als Fan nicht an, dahin zu reisen.“

Sein alarmierendes Fazit: „Die USA sind in Bezug auf die Sicherheit in einer ähnlichen Situation wie Mexiko. In Mexiko sind es die Drogenbanden, die mit Übergriffen drohen, in den USA ist es ein autoritär werdender Staat.“

Blatter war von 1998 bis 2015 Präsident der Fifa, der amtierende Fifa-Präsidenten Gianni Infantino ist sein Nachfolger. Beide sollen sich nicht sonderlich wohlgesonnen sein. Blatter war im Zuge von Korruptionsermittlungen zurückgetreten.

Pieth war von 2011 bis 2013 Vorsitzender der unabhängigen Kommission für Governance bei der Fifa und zuvor von 1989 bis 2013 Vorsitzender der Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Korruption der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

In Deutschland gab es zuletzt vereinzelt Forderungen, die WM in den USA, Mexiko und Kanada zu boykottieren. DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Clubchef Oke Göttlich brachte wegen des Kurses von Präsident Donald Trump eine Diskussion darüber ins Spiel. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hält nichts von einem Boykott, andere Verantwortliche und auch Spieler aus der Bundesliga äußerten sich in den vergangenen Tagen sehr zurückhaltend.

Fans etlicher WM-Teilnehmer können nicht in die USA einreisen

Rund um den Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Trumps offensiv vertretenen Forderungen zur Annexion Grönlands durch die USA gab es auch aus der Politik Stimmen, dass man eine WM-Teilnahme überdenken sollte. Trumps radikale Abschiebe-Politik und die tödlichen Schüsse von Bundesbeamten auf protestierende US-Bürger in Minneapolis fachten die Kritik weiter an.

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Insgesamt sind 39 Länder von Einreiseverboten betroffen – der komplette Bann trifft beispielsweise Fans der WM-Teilnehmer Iran und Haiti. Daneben gibt es noch ein teilweises Einreiseverbot für Staatsangehörige von Ländern wie dem Senegal und der Elfenbeinküste, die bei der WM in der Vorrunde auf das deutsche Team trifft. US-Präsident Trump hatte das mit „Defiziten bei Checks und Überprüfungen“ begründet.

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