Es waren die Szenen, die nachhallten – und für viel Gesprächsstoff sorgten. Auch bei Walid Regragui, dem Nationaltrainer von Marokko. Als am späten Sonntagabend das Finale beim Afrika-Cup gespielt war, fand er deutliche Worte. Er kritisierte seinen Trainer-Kollegen Pape Thiaw, den Coach des Senegal, und seinen eigenen Spieler Brahim Díaz.
„Das Spiel, das wir hatten, war beschämend für Afrika“, sagte er nach dem 0:1 der Gastgeber gegen Senegal um Superstar Sadio Mané und Bayern-Profi Nicolas Jackson.
Díaz hatte in der Nachspielzeit einen Elfmeter auf klägliche Art vergeben. Sein Panenka – ein Lupfer in die Mitte – war für Senegals Torwart Edouard Mendy eine leichte Beute. Vor der Ausführung durch den Offensivspieler von Real Madrid hatte es fast 20 Minuten lang intensive Diskussionen gegeben. Aus Protest gegen die aus ihrer Sicht falsche Entscheidung waren Senegals Spieler – offenbar auf Geheiß von Trainer Thiaw – zwischenzeitlich sogar in die Kabine marschiert.
Kurzzeitig drohte ein Abbruch
„Was Pape heute Abend gemacht hat, gereicht Afrika nicht zur Ehre. Er ist jetzt ein Champion Afrikas, also kann er sagen, was er will, aber sie haben das Spiel für mehr als zehn Minuten unterbrochen“, kritisierte Regragui: „Das ist keine Entschuldigung dafür, wie Brahim geschossen hat. Er hat so geschossen und dafür müssen wir geradestehen. Wir müssen nach vorn schauen und akzeptieren, dass er vergeben hat.“
„Wir waren alle sehr, sehr sprachlos, fassungslos“, sagte der frühere Bundesligaprofi Michél Dinzey als TV-Experte bei Sportdigital zu der dramatischen Entwicklung nach 90 Minuten. Der in der Verlängerung ausgewechselte Díaz, der auf der Bank tieftraurig das restliche Geschehen verfolgte, tue ihm wahnsinnig leid, sagte Dinzey weiter. Er habe ein ganzes Land enttäuscht. Aber: „So schießt du keinen Elfmeter.“
Strittige Schiedsrichter-Entscheidungen führen zu Tumulten
Auslöser der tumultartigen Szenen war ein Zweikampf zwischen Díaz und Senegals El Hadji Malick Diouf. Nach einem leichten Halten im Strafraum forderte Díaz energisch Elfmeter. Unter großem Protest der Senegalesen schaute sich Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala Ngambo aus der Demokratischen Republik Kongo die Szene nochmal am TV-Schirm an – und zeigte nach VAR-Entscheidung auf den Punkt.
Danach nahm das Drama seinen Lauf: Senegals Spieler und Betreuer wüteten, Trainer Thiaw beorderte seine Spieler nach langen und heißen Debatten sogar in die Kabine. Dort blieben sie nicht lange. Der Ex-Münchner Mané forderte seine Teamkollegen als Erster auf, wieder auf den Rasen zurückzukehren. „Es wäre wirklich traurig und bedauerlich gewesen, ein Finale so enden zu sehen. Es ist unmöglich, der Welt ein solches Bild zu vermitteln“, sagte Mané im Anschluss. Er hätte „lieber verloren, als so ein Ende zu erleben. Das hat mich dazu bewegt, den Jungs zu sagen, sie sollen auf den Platz zurückkehren und unseren Fußball spielen.“ Als Díaz schließlich ran durfte, entschied er sich für einen Lupfer in die Tormitte. Torwart Mendy, der 2021 mit Chelsea die Champions League gewann und jetzt bei Al-Ahli unter Vertrag ist, blieb stehen und hielt den Ball mühelos fest.
Der Frust bei Mané & Co. war auch deshalb groß gewesen, weil ihnen der Unparteiische kurz vor der Elfmeterszene ein Tor nach einem Eckball wegen eines Foulspiels an Hakimi aberkannt hatte – ebenfalls eine äußerst strittige Entscheidung.
Thiaw entschuldigte sich am Mikro bei BeIN Sports für sein Verhalten. „Wir waren nicht einverstanden. Ich fand es überhaupt nicht gut, sodass ich meinen Spielern gesagt habe, sie sollen rausgehen. Ich entschuldige mich im Namen des Fußballs“, erklärte er.
In der Verlängerung mit guten Chancen auf beiden Seiten wirkten die Senegalesen physisch und psychisch den einen Tick besser. Nach Idrissa Gueyes Traumtor, der den Ball im Fallen perfekt traf, verteidigten die Senegalesen leidenschaftlich. Der stark haltende Bono verhinderte das 2:0 – am Ende eines denkwürdigen Endspiels war es egal. Zum zweiten Mal nach 2022 krönte sich Senegal zum Champion von Afrika.
In Senegals Hauptstadt Dakar gab es danach sofort eine Riesenparty. Menschen zündeten Feuerwerke, Tausende gingen auf die Straße und feierten mit Hupkonzerten. Senegals Präsident erklärte den 19. Januar zum Feiertag, Schulen und Büros sollen heute geschlossen bleiben, damit gefeiert werden kann.
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