Kein anderer Titel im internationalen Männerhandball ist derart schwierig zu gewinnen wie der bei einer Europameisterschaft. Nirgendwo sonst duellieren sich so viele Spitzenmannschaften aus den Ländern auf einem Haufen wie beim alle zwei Jahre stattfindenden kontinentalen Kräftemessen. Selbst eine Übermannschaft wie Dänemark muss angesichts des hohen Niveaus im Teilnehmerfeld seit 2012 auf einen EM-Triumph warten.
WELT hat vor dem Auftakt der Europameisterschaft 2026, die am Donnerstag beginnt und am 1. Februar endet, alle wichtigen Fakten zum Turnier zusammengetragen.
Wo wird gespielt?
Die 17. Europameisterschaft findet in drei Ländern statt: Dänemark, Schweden und Norwegen. Spielorte sind die Jyske Bank Boxen im dänischen Herning mit einem Fassungsvermögen von 15.000 Zuschauern, die beiden Hallen in Malmö/Schweden (11.800) und in Kristianstad/Schweden (4500) sowie die Unity Arena in Oslo/Norwegen (9000).
Wer ist der Topfavorit auf den Titelgewinn?
Mitveranstalter Dänemark geht als DER Überflieger schlechthin in die EM. Der aktuelle Weltmeister und Olympiasieger hat eine absolute Ausnahmemannschaft um den Berliner Halbrechten Mathias Gidsel beisammen. Das Team mit dem zweimaligen Welthandballer hat zudem den Vorteil, dass es alle Spiele vor eigenem Publikum in Herning bestreiten kann: Vor- und Hauptrunde sowie ein mögliches Halbfinale und das Endspiel am 1. Februar.
Welche Wucht dort auf den Rängen der Jyske Bank Boxen entfacht werden kann, machte sich bereits während der Weltmeisterschaft 2025 bemerkbar. Da stand bei jedem Auftritt von Gidsel und seinen Kollegen eine rote Wand lautstark hinter dem Team.
Dennoch warnt Gidsel vor zwei gefährlichen Konkurrenten. „Wir haben einen Riesenrespekt vor Deutschland. Zusammen mit Frankreich und uns sind sie der Topfavorit auf den Titelgewinn“, hat der 26 Jahre alte Profi im Interview mit WELT AM SONNTAG erklärt.
Wer ist Rekordgewinner?
Co-Gastgeber Schweden hat den Titel fünfmal gewonnen, letztmals 2022. Titelverteidiger Frankreich folgt mit vier Erfolgen. Die deutsche Mannschaft hat zweimal ganz oben auf dem Podest gestanden: 2004 und 2016.
Vom Siegerteam, das vor zehn Jahren sensationell in Polen triumphierte, sind mit Torwart Andreas Wolff, Linksaußen Rune Dahmke und Kreisläufer Jannik Kohlbacher noch drei Spieler im aktuellen EM-Kader. Angesichts der famosen Leistung des Keepers im Finale 2016 gegen die Iberer (24:17) hat sich in der Branche eine nette Anekdote fest ins Gedächtnis eingebrannt: „Was hält Andi Wolff von Spanien? Alles!“ Mit 187 absolvierten Länderspielen ist der 34 Jahre alte Routinier zudem der erfahrenste deutsche Spieler beim kontinentalen Kräftemessen im hohen Norden.
Wie stehen die Chancen der deutschen Nationalmannschaft?
Für Bundestrainer Alfred Gislason und seine Mannen geht es nach dem enttäuschenden Aus bei der Weltmeisterschaft vor einem Jahr im Viertelfinale gegen Portugal (30:31 nach Verlängerung) vor allem um Wiedergutmachung. Allerdings warten schwierige Gegner auf das Team: Zum Auftakt bekommt es Deutschland am Donnerstag (20.30 Uhr, ARD/Dyn und im WELT-Liveticker) mit Österreich zu tun. Danach warten am Samstag mit Serbien und am Montag mit Spanien zwei weitere mehr als ernstzunehmende Kontrahenten während der Vorrunde in Herning auf Kapitän Johannes Golla und Co.
Die ersten beiden Mannschaften der Gruppe A erreichen die Hauptrunde, wo Deutschland dann vermutlich auf Turnierfavorit Dänemark, Titelverteidiger Frankreich, Portugal und Norwegen treffen würde – allesamt mindestens Medaillenkandidaten. Nicht zuletzt deshalb spricht Weltklasse-Torhüter Wolff von einer mehr als schwierigen EM-Mission: „Das ist kein Los, das man sich wünscht. Das ist ein Albtraum.“
Bundestrainer Gislason ordnet das Ganze etwas nüchterner ein: Für ihn ist es „mit dieser Gegner-Konstellation wahrscheinlich das schwierigste Turnier bisher“. Dennoch hat der 66 Jahre alte Isländer als Ziel das Erreichen des Halbfinales ausgegeben. „An guten Tagen“, so Gislason, „können wir jeden Gegner schlagen.“
Inwieweit seine Mannschaft nach der spielerisch eher mäßigen WM vor einem Jahr wieder an ihr Topniveau heranreichen kann, ist eine der spannendsten Fragen vor dem Auftakt. Nur wenn das Team ohne Einbrüche und stabil bleibt, ist der Traum von einer Medaille realistisch. Zudem müssen Schlüsselspieler wie Wolff, Abwehrchef Golla und Spielmacher Juri Knorr verletzungsfrei durch das Turnier mit Partien im Zwei-Tages-Rhythmus kommen. Denn noch agiert die zweite Reihe der deutschen Auswahl nicht durchgehend auf hohem Level. Immerhin gaben die zwei Siege in den letzten beiden EM-Testspielen gegen den WM-Zweiten Kroatien (32:29 und 33:27) einiges an Selbstvertrauen.
Wer zeigt die EM-Spiele?
Der Streamingdienst Dyn hat die Rechte für alle 65 Spiele der Titelkämpfe erworben und zeigt die EM vollumfänglich. Ein Turnierpass kostet 15 Euro. Die Spiele der deutschen Mannschaft sind zudem bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu sehen: Den Beginn macht die ARD mit den Partien gegen Österreich am Donnerstag (20.30 Uhr) und gegen Serbien am Samstag (20.30 Uhr). Das letzte Vorrundenspiel der Deutschen am kommenden Montag (20.30 Uhr) zeigt dann das ZDF. Weitere 30 Begegnungen der EM werden von beiden Sendern zudem per Livestream im Netz übertragen.
Wie sehen die Vorrundengruppen und der Modus aus?
Die Vorrunde wird in sechs Staffeln à vier Mannschaften gespielt, die beiden besten Nationen erreichen die Hauptrunde, wo vier weitere Duelle zu bestreiten sind. Die beiden jeweils Erstplatzierten der beiden Hauptrundengruppen ziehen dann ins Halbfinale am 30. Januar ein. Die Gewinner kämpfen anschließend am 1. Februar um 18 Uhr um Europas Handball-Krone, die Verlierer ab 15.15 Uhr um Bronze.
Gruppe A in Herning: Deutschland, Spanien, Österreich, Serbien
Gruppe B in Herning: Dänemark, Portugal, Nordmazedonien, Rumänien
Gruppe C in Oslo: Frankreich, Norwegen, Tschechien, Ukraine
Gruppe D in Oslo: Slowenien, Färöer, Montenegro, Schweiz
Gruppe E in Malmö: Schweden, Kroatien, Niederlande, Georgien
Gruppe F in Kristianstad: Ungarn, Island, Polen, Italien
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