Peinlich. Komplettausfall. Herbe Enttäuschung. Mit diesen Worten fassten die Spieler und Verantwortlichen des VfL Wolfsburg ihren Sonntagabend zusammen. In der Analyse des 1:8 (1:2) nach dem Abpfiff waren sie so schonungslos wie der FC Bayern während der Partie auf dem Rasen.
Für Sportfans war dieses Spiel ein trauriger Start in das neue Fußball-Jahr. Klar, Anhänger des FC Bayern freuten sich über den Kantersieg und die Spielfreude ihrer Mannschaft, neutrale Beobachter genießen die Ballkünste der Offensivstars Michael Olise und Luis Diaz sowie das Traumtor von Stürmer Harry Kane. Doch in Sachen Spannung und Wettbewerb war das Debakel der Wolfsburger kein gutes Zeichen. Es war eine Demontage, die viel aussagt.
Die Partie zeigte erneut, wie sehr der Bundesliga an der Spitze die Spannung fehlt. Und wie weit die Bayern enteilt sind. Nach 16 Spielen haben sie bereits elf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Borussia Dortmund. Dass sie Meister werden, ist für die allermeisten total klar. Die Hinrunde ist noch nicht mal beendet, und an der Spitze scheint alles gelaufen. Nicht gerade ein packender Wettbewerb.
Den Münchnern kann jetzt sogar der früheste Meistertitel gelingen, den bisherigen Rekord schafften sie unter Startrainer Pep Guardiola in der Saison 2013/2014, damals war ihnen die Schale bereits am 27. Spieltag nicht mehr zu nehmen.
Ein Auszug der bayerischen Kantersiege aus der bisherigen Hinrunde: 6:0 gegen RB Leipzig, 5:0 gegen den Hamburger SV, 6:2 gegen den SC Freiburg, 3:0 gegen Bayer Leverkusen und 5:0 beim VfB Stuttgart. Die hohen Siege gelingen nicht ausschließlich gegen Aufsteiger mit verhältnismäßig kleinem Budget, wie es zum Beispiel Holstein Kiel in der Saison 2024/2025 war. Wolfsburg ist keine Spitzenmannschaft, aber ein gestandener Bundesligaklub mit einem hohen Etat und einem Marktwert der Mannschaft von rund 240 Millionen Euro.
Wolfsburger bitten Fans um Entschuldigung
Es ist traurig, dass solche Klubs so weit davon entfernt sind, über 90 Minuten halbwegs Paroli bieten zu können. Die Bayern sind das Maß der Dinge in der Liga, das haben sie sich erarbeitet. Doch für das Fußballvergnügen der Fans bräuchte die Bundesliga dringend mehr Qualität. So wie Wolfsburg darf sich eine Mannschaft nicht präsentieren.
Die Kluft in der Bundesliga ist enorm. Für das Niveau und die Entwicklung der Liga ist das eine bedenkliche Entwicklung. Die Attraktivität leidet unter dem fehlenden Überraschungsfaktor, für die Vermarktung der Liga im Ausland hilft das nicht gerade. Und die Bayern sind so richtig oft nur in der Champions League gefordert.
Die Bundesliga hat ein trauriges Qualitätsproblem. Vieles im Alltag dieser Liga ist viel zu berechenbar geworden.
Julien Wolff ist Sportredakteur. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-und Sport-Ernährungs-Themen.
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