Sie sind das bekannteste Paar des deutschen Sportfernsehens: Anna Kraft (40) moderiert bei RTL, Wolff Fuss (49) ist der Top-Kommentator für Sky und RTL. Beide werden 2026 für MagentaTV bei der Fußball-WM im Einsatz sein. Im Interview sprechen sie über ihren Alltag abseits des Sports.

Frage: Wie oft kam es bereits vor, dass einer von Ihnen den anderen anmoderierte?

Wolff Fuss: Bei der Nationalmannschaft machte Anna kürzlich die RTL News aus der Loge, aber gab zu Laura Wontorra, die dann zu mir weitergab.

Anna Kraft: So richtig tatsächlich noch nie.

Fuss: Da sind wir uns immer aus dem Weg gegangen.

Kraft: Wer will schon seinen Partner mit ins Büro nehmen. Wenn es mal dazu kommen sollte, würde ich wohl sagen: Ihr Mann für die 90 Minuten, Wolff Fuss. Den Zuschauer interessiert da nicht, dass wir uns privat auch näher kennen. Persönliches würde ich mir verkneifen.

Frage: Durch die Arbeit sind Sie beide viel unterwegs. Wie oft­ sehen Sie sich?

Fuss: Eigentlich sogar häufiger als viele andere berufstätige Paare. Klar, am Wochenende sind wir beide meist unterwegs. Da treffen wir uns auch mal zehn Minuten am Flughafen.

Kraft: Und die Kinder haben dann eine coole Oma-Zeit. Aber unter der Woche sind wir zusammen daheim, haben ein gemeinsames Büro. Da ist der einzige Nachteil, dass wir beide laut telefonieren. Dann sitze ich am Ende in der Küche oder auf dem Sofa. Wolff ist geordneter, macht am Schreibtisch seine Klebezettel. Ich bin eher Chaos, arbeite überall verteilt.

Frage: Wer redet am Esstisch mehr?

Fuss: Also geschwiegen wird bei uns nie! Im Zusammenspiel mit den Kindern gilt: Wer gehört werden will, muss reden. Das heißt aber nicht, dass der Lauteste immer recht hat. Bei uns ist das Verhältnis vielleicht 60:40 oder 55:45 für Anna.

Kraft: Ich?

Fuss: Vom Gefühl her, aber wenn man unsere Töchter dazunimmt, sind es 95 Prozent die beiden und wir zwei noch fünf. Die fünf sind aber schon wichtig.

Kraft: Am besten macht man keinen Punkt, sonst erwischt jemand die Lücke und redet weiter.

Frage: Wie sehr ist Fußball ein Thema?

Fuss: Total wenig! Es geht meist um die Organisation des Alltags. Wer holt ab, wer bringt hin. Uns ist extrem wichtig, dass wir viel mit unseren Kindern machen, wollen sie nicht in die Obhut einer Nanny geben. Lieber sagen wir mal einen Job ab.

Kraft: Wir fahren nach Einsätzen oft mitten in der Nacht noch heim, um am nächsten Morgen um neun am Hockey-Platz zu stehen. Da spielen beide Mädels. Unsere Große ist noch in einer Theatergruppe, die Kleine findet Fußball cool, macht Ballett und Theater. Da sind wir voll ausgelastet. Beide reiten auch noch, aber nur in den Ferien.

Frage: Wie häufig schauen Ihre Töchter Ihnen zu?

Kraft: Als die beiden noch kleiner waren, fragten sie: Wieso sind die anderen Eltern nicht im Fernsehen? Wenn sie bei den Omas sind, gucken sie zu. Meine Mutter schaltet ein, um zu sehen, was ich anhabe. Wolffs Mutter, weil sie wissen möchte, ob er gut angekommen ist.

Fuss: Ich nehme sie auch mal mit zu den Sendungen, damit sie verstehen, dass es ein ganz normaler Beruf ist und nichts Besonderes. Unsere Große vertont ja bereits Openings für das Top-Spiel bei Sky. Stolz ist bei mir keine Gefühlsregung, die mir für mich persönlich sehr nahe liegt. Aber wenn ich meine Kids sehe, wie sie strahlen, wenn sie tun, was sie lieben, dann bin ich unfassbar stolz.

Frage: Wer hat daheim die Fernbedienung?

Fuss: Wir gucken tatsächlich gar nicht viel. Der einzige Pflichttermin ist neben Sport sonntags 20.15 Uhr der Tatort. Je nachdem, wie hart die Woche war, schlafe ich um Viertel vor neun ein, und Anna dann kurz danach.

Frage: Frau Kraft, Sie waren früher Leichtathletin, starteten für Bayer Leverkusen, Wolff ist Sympathisant des 1. FC Köln. Wie passt das zusammen?

Kraft: Gar nicht! Das lassen wir lieber außen vor. Aber da wir ja gegen den FC gewonnen haben, ist das kein Problem. Da sind die Machtverhältnisse klar verteilt.

Fuss: Für größere Spannungen ist das nicht wichtig genug …

Frage: Wie würde eine gemeinsame TV-Sendung, die Anna-und-Wolff-Show, aussehen?

Fuss: Das wäre das geordnete Chaos, demokratische Anarchie. Inhaltlich mag ich Quiz-Shows …

Kraft: … ich überhaupt nicht, bin da grottenschlecht. Bei mir müsste es was mit Aktivitäten und Spielen sein. Also kombinieren wir das am besten.

Fuss: Wir waren mal in der Show „Mein Mann kann“. Da musste Anna einschätzen, wie gut ich etwas kann. Mein stärkster Moment war, als ich Anna an ihren Ohren, ihrer Nasenspitze, ihren Augen und sogar ihren Ellenbogen erkannt habe. Es gab einige zur Auswahl, und ich musste sagen, wer davon Anna ist.

Kraft: Wirklich am Ellenbogen. Das war geisteskrank. Auch am Knie musstest du mich erkennen. Ich hätte nie gedacht, dass du es schaffst. Aber er kennt mich in- und auswendig.

Frage: Sie müssen im Alltag als Team gut funktionieren. Frau Kraft, Sie haben ein Buch über Ihre Erkrankung an Multipler Sklerose (MS) geschrieben. Wie sieht der gemeinsame Umgang aus?

Fuss: Wir gehen damit seit über zehn Jahren um, man wächst dort hinein. Du entwickelst ein Gefühl dafür, wann es problematisch werden könnte. Wann ist es zu viel Stress für Anna? Zum einen respektiere ich alles, was sie macht, und dass sie von der Persönlichkeit jemand ist, der einfach sehr aktiv sein möchte, zum anderen muss man manchmal mit sanftem Druck die Bedenken einmassieren, dass ein Plan mit vier Terminen in 30 Minuten doch zu viel sein könnte. Ich unterstütze im Akutfall einfach so viel ich kann.

Kraft: Da ich ein Kinderbuch über die Erkrankung schreiben möchte, habe ich kürzlich meine Tochter gefragt, ob sie wisse, was Mama so hat. Ihre Antwort war: „Das mit den zwei großen Buchstaben. Manchmal bist du müde und kannst nicht mit aufs Klettergerüst“. Wenn es diese zwei Dinge sind, die die Kinder wirklich fühlen, dann schaffe ich es gut, dass es im Alltag keine große Rolle spielt. Da bin ich stolz, dass ich der MS nicht so viel Platz in unserem Familienleben einräume.

Frage: Wie äußert sich die MS bei Ihnen?

Kraft: Ja, die MS ist da, und die habe ich nach langer Zeit auch angenommen. Wolff kennt meine Trigger-Punkte, auf die man achten muss. Mich begleitet besonders das Fatigue-Thema und die Angst, dass es im Alter schlimmer werden könnte. Die Fatigue (lang anhaltende Erschöpfung/Müdigkeit; d. Red) ist mein größter Dämon, der auch mit 20 Litern Kaffee nicht weggeht. Da brauche ich manchmal einen längeren Anlauf.

Frage: Über Weihnachten kam noch ein Kreuzbandriss hinzu.

Kraft: Den habe ich mir leider beim Skifahren mit unseren Töchtern zugezogen. Der macht alles komplizierter, weil ich gerade noch nicht Auto fahren kann – und bald geht ja die zweiten Liga los. Aber nach der OP startet die Reha, und es geht wieder aufwärts. Manchmal wird man zur Ruhe gezwungen, hier kam es mit dem Vorschlaghammer.

Fuss: Man muss das Beste daraus machen und den Humor nicht verlieren. Bald bist du zurück auf dem Platz. Die WM ist nicht in Gefahr. (lacht) 2026 wird schon herausfordernd, vor allem durch die Fußball-WM, wo wir beide arbeiten, und ich sechs Wochen in Übersee sein werde. Die Familie daheim wird es schon schaffen. Davon bin ich überzeugt. Das Eröffnungsspiel im Aztekenstadion wird dabei für mich ein absolutes Highlight. Ich war dort noch nie, und es ist eine der schönsten und wichtigsten Sportstätten auf dem Planeten.

Kraft: Während der WM hast du auch noch einen runden Geburtstag. Den feiern wir dann danach zusammen im Urlaub.

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) erstellt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.

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