Er ist der Mann, der mit Worten Gefühle malen kann. Ein Poet am Mikrofon und der beste Reitsport-Kommentator Deutschlands: ARD-Mann Carsten Sostmeier. Sie ist eine begabte Dressurreiterin, die Frau von Fußball-Star Thomas Müller – und derzeit ganz schön beleidigt: Lisa Müller.
Müller wurde gerade Siebte im Dressur-Grand-Prix in Stuttgart und beschwerte sich danach bitterlich über die Medien. Es sei nur schwer zu ertragen, wenn Menschen, die „gelinde gesagt weniger als gar keine Ahnung vom Dressursport haben“, öffentlich über ihre Platzierungen oder Leistungen urteilen würden, sagte Müller.
Sostmeier kann wie kaum ein Zweiter beurteilen, ob sie recht damit hat – und wie gut sie wirklich ist. Darum bat „Bild am Sonntag“ Sostmeier um seine Experten-Einschätzung.
Der Dressur-Goethe („Du hast ihn vor dir, den Arc de Triomphe der goldenen Emotionen – holt euch die Krone der Reiterei“) überlegt kurz, spricht dann mit seiner Kuschelstimme: „Die Lisa ist ein ganz bodenständiges Mädel vom Land, das für die Pferde Leidenschaft mitbringt und das sich aus der Leidenschaft aufbauende Talent. Kein Ausnahmetalent wie ihre Lehrmeisterin Isabell Werth, aber eine überdurchschnittlich veranlagte Reiterin, die sich in den letzten Jahren durch die Kooperation mit Werth noch mal enorm weiterentwickelt hat, die derzeit aber mit ihren Leistungen nicht den Schritt in Richtung Dressur-Weltspitze erreicht.“
Müller hat zusammen mit ihrem Mann das Gestüt Gut Wettlkamp südlich von München aufgebaut, wo sie sich „der Ausbildung von Turnierpferden und die Zucht erstklassiger Dressurpferde“ verschrieben hat. Die 36-Jährige gewann 2019 bei den Stuttgart German Masters ihre erste internationale Prüfung und wurde in den deutschen Perspektivkader aufgenommen.
„In der Fußballsprache würde ich sagen: Im Moment ist sie in der Spitzengruppe der Zweiten Bundesliga unterwegs. Aber da muss sie nicht immer bleiben. Ich traue ihr durchaus den Aufstieg in den deutschen Dressur-Kader zu. Aber das braucht Zeit und passende Pferde“, sagt Sostmeier.
„Lisa ist eine bemerkenswerte Pflanze“
Der Kommentator runzelt die Stirn. Dann greift er tief in seine große Sprüche-Schatzkiste: „Lisa hat eine Reihe hochveranlagter Pferde im Stall. Lisa ist im Vergleich zu den derzeitigen Mammutbäumen in der Dressur-Landschaft eine schon bemerkenswerte Pflanze mit absoluter Wachstumsperspektive, die immerhin zu den besten ein Prozent im deutschen Dressursport zählt (Platz 11 der Rangliste, d. Red.). Mit diesen Leistungen wäre sie in manch anderen Ländern längst bei großen Championaten (EM und WM, d. Red.) dabei gewesen wäre.“
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Ein Problem sieht Sostmeier in der ständigen Beobachtung, der Lisa Müller ausgesetzt ist. „Wenn sie zum Turnier kommt, hat jeder sein Fernglas aus dem Wohnzimmerschrank mitgebracht. Die Leute kommen und beobachten Lisa Müller. Das ist doch die Frau von … Sie siehst du auf einem Turnier nicht herumlaufen. Sie ist es leid, sie hat ihr Instagram-Ding gelöscht. Die macht da nichts mehr. Die will einfach mal nur mit sich selbst und mit ihren Pferden sein.“
Und außerdem, fügt Sostmeier an, habe Müller aktuell auch nicht das Top-Pferd, um in die Weltspitze zu reiten: „Wenn du in deinem Leben einmal den Namen Messi auf deinem Vereinstrikot hattest, kannst du glücklich sein. Und so einen Messi unter dem Sattel hat Lisa noch nicht.“
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild am Sonntag“ veröffentlicht.
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