Bei den Bayern war von „Chaos“ die Rede. Sportvorstand Max Eberl hatte darüber doziert. Eine Standardsituation wie eine Ecke, ausgeführt vom FC Arsenal, gleich Chaos. Das war seine Botschaft. Mittendrin in den Wirren, wieder schutzlos: der FC Bayern. Arsenals Führungstor nach einem Eckball, erzielt von Jurriën Timber (22. Minute), legte ihre große Schwäche offen: Tore nach ruhenden Bällen abzuwehren.

„Chaos kannst du nicht verteidigen. Arsenal kreiert Chaos“, befand Eberl. Der Gegner würde einen verwirren, käme „,im Block, sie bleiben lang, bleiben in der Mitte, kommen kurz. Du weißt, dass sie auf einigen dieser drei Stellen stehen, mit drei, vier Mann, aber du weißt ja nicht wann und wo“, resümierte Eberl – und so stand es dann eben am Ende 1:3.

Dabei war die Mission eine ganz andere, insbesondere mit Blick auf die Standardsituationen. Ist ja durchaus so, dass die Bayern gewarnt waren. Vor der Stärke von Arsenal und der zuweilen eigenen Hilflosigkeit in diesen Fällen.

Arsenal trifft viel nach Standardsituationen, der FC Bayern kassiert viel

Vor der Partie gegen den englischen Tabellenführer hatte Vincent Kompany gesagt, er und sein Trainerteam hätten Bayerns chronischen Makel in dieser Saison „analysiert und daran gearbeitet. Die Wahrheit ist, dass wir unsere normale Stärke nicht gezeigt haben bei den Standards. Wir wollen eine ganz starke Mannschaft bei den Standards sein – nicht nur in der Offensive, auch wieder in der Defensive“. Das klappte nicht gut, denn Arsenal zählt zu den hoch spezialisierten Teams im Weltfußball, das gerade diesen Mangel bei einer Mannschaft trefflich ausnutzen kann.

Die Londoner, das wusste auch Eberl, hatten in den vergangenen zwei Jahren 50 Prozent ihrer Tore über Standards erzielt. Ein außergewöhnlicher Wert. Die Truppe erzielte allein in der aktuellen Saison der Premier League zwölf Tore auf diese Art, acht davon nach Ecken. Keine Mannschaft auf der Insel ist effizienter. „Das trainieren sie, dafür haben sie einen Trainer. Und das merkt man“, berichtete Eberl.

Gleichzeitig kassierten die Bayern sechs der acht Bundesliga-Gegentore nach ruhenden Bällen. Zuletzt gleich viermal in Folge: zwei gegen Union Berlin, zwei gegen den SC Freiburg. Beide Male ging es im Vergleich zu Arsenal recht glimpflich aus. Gegen Union reichte es am Ende noch zu einem 2:2, die Freiburger 2:0-Führung drehte der Rekordmeister noch zu einem 6:2. Gegen ein internationales Topteam wie Arsenal aber rächt es sich die chronische Schwäche eben auch mal.

Zwar verwiesen sie beim FC Bayern darauf, dass Torwart Manuel Neuer beim ersten Gegentor von Torschütze Timber etwas geschubst worden sei und deswegen zu spät am Ball gewesen sei. Fakt ist aber auch, dass Arsenal schlicht besser war – und sich durch das 1:0 quasi den Weg für den Sieg ebnete. Zwar war dem 17 Jahre alten Lennart Karl der zwischenzeitliche Ausgleich gelungen (32.). Doch insbesondere im zweiten Abschnitt waren die Bayern der Kraftprobe nicht mehr gewachsen.

„Es war auf jeden Fall eine verdiente Niederlage“, sagte Joshua Kimmich, „wir haben es mit dem Ball überhaupt nicht gut gemacht. Da waren wir nicht mutig genug, da waren wir nicht aktiv genug, wir haben uns nicht genügend Optionen gegeben. Gegen den Ball waren wir physisch nicht auf der Höhe.“

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