Die heiß ersehnte Bundesliga-Rückkehr läuft für den Hamburger SV bislang gar nicht. Im Stadtderby wird deutlich, dass der 1. FC St. Pauli längst den nächsten Schritt gemacht hat. Die Rollen sind klar verteilt, der Frust deutlich.
Während die Spieler des HSV mit bedröppelter Miene Trost bei ihren treuen Anhängern suchten, tanzten die Profis des FC St. Pauli auf der Gegenseite ins lange Party-Wochenende. Das elektrisierende 112. Stadtderby (Highlights bei RTL+) hat für klare Verhältnisse in Hamburg gesorgt - und dabei auch wie ein deutlicher Fingerzeig in die Zukunft gewirkt.
"Wie die Fans das heute alles zelebriert haben, bei einem Derby mit allen Emotionen, aller Hektik, aller Schärfe, das war toll. Das macht einen stolz", sagte St. Paulis Trainer Alexander Blessin nach dem hochverdienten 2:0 (1:0)-Erfolg im Wohnzimmer des Rivalen - und gab den Partybefehl an die glückseligen Anhänger in Braun und Weiß: "Die sollen das gebührend feiern und das genießen."
"Es gibt nichts Schlimmeres ..."
Beim HSV war man nach dem deftigen Derby-Dämpfer dagegen mit Wundenlecken beschäftigt. Und fand drastische Worte. "Es ist einfach scheiße", sagte der neue Kapitän Yussuf Poulsen, "das kotzt uns an", ergänzte sein Trainer Merlin Polzin - und Sportvorstand Stefan Kuntz bekannte bei Sky: "Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Derby zu Hause zu verlieren."
Die bittere Niederlage im 112. Stadtduell, das mehr als sieben Jahre nach dem letzten Bundesligaheimspiel im Volkspark so stimmungsvoll begonnen hatte, war ein schwerer Schlag für den HSV. Sie brachte aber auch einige, möglicherweise wichtige, Erkenntnisse mit sich. Zum Beispiel die, dass der HSV bislang nur als bedingt bundesligatauglich gelten kann. Polzin hatte zwar, laut eigener Aussage, gewisse "Ansätze gesehen, wie wir Fußball in der ersten Liga spielen können", aber gegen St. Pauli - "eine richtig gute Mannschaft" - sah es dennoch zeitweise wie ein Klassenunterschied aus. Der HSV befinde sich nach langer Zweitliga-Zugehörigkeit eben immer noch "in einem Prozess", sagte der Coach.
Ein Prozess, bei dem der Rivale vielleicht sogar als Vorbild dienen kann? Er könne jedenfalls "trotz aller Emotionalität" auch anerkennen, was auf St. Pauli "an guter Arbeit" geleistet werde, gestand Polzin. Das Auftreten der Gäste sei etwas gewesen, "bei dem sich viele Mannschaften etwas abschauen können".
Aufstiegseuphorie schon verflogen
Es wäre der richtige Zeitpunkt für Verbesserungen, um nicht schon früh in der Saison in unruhige Gewässer zu geraten. Die Aufstiegseuphorie jedenfalls scheint rund um den HSV schon verflogen, und nun wartet auch noch ein Auswärtsspiel beim torhungrigen Rekordmeister FC Bayern.
Beim FC St. Pauli dagegen, der sich über weite Strecken des Spiels wie ein abgezockter Bundesligist präsentiert hatte, war bei aller Partystimmung schnell auch der Fokus auf die kommenden Aufgaben gerichtet. "Das werden wir genießen, aber wir wollen schon mehr", sagte Blessin. Der angepeilte Klassenerhalt werde trotz des Motivationsschubs vom Freitagabend "sicher kein Selbstläufer", warnte auch Innenverteidiger Hauke Wahl.
Ein Selbstläufer war das 112. Derby auch nicht für die Hamburger Polizei. Immerhin aber gelang es dem Großaufgebot von Beamten wohl, größere Zusammenstöße der Fangruppen zu vermeiden. Bis in die Nacht hinein gab es keine Berichte über Auseinandersetzungen rund um das Hochrisiko-Spiel.
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