Ein neuer invasiver Pflanzenschädling rückt näher an Deutschland heran: die gepunktete Laternenträgerzikade (Lycorma delicatula). In diesem Sommer wurde sie erstmals in Europa nachgewiesen. In Ungarn entdeckten Fachleute eine kleine Population an Weinreben.
Beunruhigend ist, dass dort bereits sämtliche Entwicklungsstadien des Insekts gefunden wurden. Die Behörden gehen daher davon aus, dass die ursprünglich aus Asien stammende Art bereits seit mindestens einem Jahr unbemerkt in Europa lebt. Die invasive Art wird inzwischen auch im Rahmen der International Plant Protection Convention (IPPC) überwacht.
Offizielle IPPC-Kontaktstelle in Deutschland ist das Julius-Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig. Die zuständige Expertin Stephanie Feltgen warnt in einer Mitteilung des JKI: „Angesichts dieses Fundes und der Entdeckung eines weiteren lebenden Insekts in einem in Belgien angelandeten Flugzeug ist das Risiko einer Verschleppung der Art nach Deutschland deutlich gestiegen.“
Ursprünglich stammt die Zikade aus Asien. Nach Südkorea gelangte die Art 2004, nach Japan 2008 und in die USA 2014. Gefürchtet ist sie, weil sie sich massenhaft vermehren kann. Die „sehr hübsche, aber gefährliche Zikade“ kann großen Schaden anrichten, wie es in einer Mitteilung des Bundeslandwirtschaftsministeriums heißt.
Im sogenannten Nymphenstadium und als erwachsene Zikaden saugen die Insekten an Pflanzen. Befallene Pflanzen können schlechter wachsen, welken und teilweise absterben. Zugleich scheiden die Tiere große Mengen Honigtau aus. Darauf können sich Rußtaupilze ansiedeln, die die Fotosynthese der Pflanze und damit ihr Wachstum zusätzlich beeinträchtigen.
Die Zikaden können mit Wirtspflanzen, Holz und Holzprodukten eingeschleppt werden. Ihre Eigelege bleiben oft unbemerkt. Die Weibchen kleben Pakete aus 30 bis 50 Eiern nicht nur an Pflanzen und Holz, sondern auch an glatte künstliche Oberflächen. Damit können sie als blinde Passagiere mit Lkw, Autos und anderen Transportgütern reisen.
„Der rege Fernverkehr auf Europas Straßen erhöht somit die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung und kann zur raschen Ausbreitung der gepunkteten Laternenträgerzikade beitragen“, sagt Feltgen.
Die schwarzen Punkte gaben dieser Zikade ihren NamenDie gepunktete Laternenträgerzikade gilt in der Europäischen Union als ein sogenannter Quarantäne-Schadorganismus. Ein Auftreten muss gemeldet und bekämpft werden. Der Zusatz „Quarantäne“ bezieht sich dabei auf die gesetzlichen Vorgaben, wonach ein solcher Schädling durch strikte Isolations-, Kontroll- und Eingrenzungsmaßnahmen an der weiteren Ausbreitung zu hindern ist.
In Deutschland wären nach Einschätzung des JKI vor allem wärmere Tieflagen, Weinbaugebiete, Städte und Verkehrskorridore gefährdet. Ein Grund dafür ist der Götterbaum, auch „Ghettopalme“ genannt. Der Baum ist ebenfalls eine invasive Art und der bevorzugte Wirt der Zikade. Vor allem in Städten und entlang von Verkehrswegen breitet er sich in Deutschland aus.
Außerdem befallen die Zikaden Weinreben, Walnüsse, Ahorn und Weiden sowie Apfel- und Steinobstbäume. Das Klima in Deutschland gilt grundsätzlich als so geeignet, dass sich die Zikaden auf Dauer hier etablieren können. Feltgen: „Europa im Allgemeinen und auch Deutschland im Speziellen werden als klimatisch passend eingestuft.“
Dass ein eingeschleppter Schädling innerhalb weniger Jahre zum Problem werden kann, zeigt die Entwicklung anderer Arten in Deutschland. Die aus Ostasien stammende Kirschessigfliege wurde hier erstmals 2011 nachgewiesen und war bereits ab 2014 im gesamten Bundesgebiet verbreitet.
Anders als viele heimische Essigfliegen befällt sie gesunde, reifende Früchte und kann besonders im Beeren-, Kirsch- und Weinbau erhebliche Schäden verursachen. Auch die marmorierte Baumwanze und die grüne Reiswanze sind eingeschleppte Arten. Sie breiten sich nach Angaben des JKI seit Jahren vom Südwesten Deutschlands aus und können zahlreiche Obst- und andere Kulturpflanzen befallen.
Der aus Ostasien stammende Buchsbaumzünsler wiederum gehört inzwischen vielerorts zum Alltag von Gartenbesitzern und kann Buchsbäume vollständig entlauben. Das JKI zählt ihn ausdrücklich zu den eingeschleppten Schädlingen.
Besonders aufmerksam überwachen die Pflanzenschutzbehörden derzeit den Japankäfer. 2025 wurden Befallsgebiete in Freiburg und im südhessischen Trebur festgestellt; Mitte 2026 wurden in Südhessen Befalls- und Pufferzonen eingerichtet, in denen etwa der Transport von Pflanzen, Erde und Grünschnitt eingeschränkt wurde. Der Käfer kann unter anderem Wein, Obst, Mais und zahlreiche Zierpflanzen befallen.
Ein weiteres Beispiel ist die Asiatische Hornisse. Sie wurde 2014 erstmals in Deutschland festgestellt und hat sich seitdem weiter ausgebreitet. Anders als die Pflanzenfresser bedroht die invasive Art vor allem andere Insekten und kann Bienenvölker stark unter Druck setzen.
Der zunehmende internationale Waren- und Reiseverkehr schafft immer neue Einfallstore. Das JKI weist darauf hin, dass mit Pflanzen und Pflanzenprodukten, mit Reisegepäck sowie Post- und Paketsendungen immer auch Schadorganismen nach Deutschland gelangen können.
Wie wichtig es ist, aufmerksam zu sein und genau hinzuschauen, zeigt ein Beispiel aus Brandenburg. Bei einer Importkontrolle von Holzpaletten mit Granitsteinen aus China wurden 2022 nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums drei Nymphen der gepunkteten Laternenträgerzikade entdeckt und beanstandet.
Noch besteht die Chance, eine Ansiedlung der gepunkteten Laternenträgerzikade früh zu erkennen und die weitere Ausbreitung zu verhindern, nicht zuletzt, weil sie anhand ihrer auffälligen schwarzen Punkte auch für Laien gut zu identifizieren ist.
Wer ein verdächtiges Tier entdeckt, sollte es nach Möglichkeit fotografieren oder einfangen und den zuständigen Pflanzenschutzdienst des jeweiligen Bundeslandes informieren, appelliert das JKI an die Bevölkerung und hat eine Liste der Ansprechpartner zusammengestellt.
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