Rund vier Millionen Haushalte in Deutschland nutzen GLP-1‑Abnehmmedikamente oder wollen sie nehmen. Doch der rasante Gewichtsverlust hat seine Schattenseiten. Medikamente wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten (darunter auch Semaglutid) senken den Appetit drastisch. Menschen essen dadurch durchschnittlich 16 bis 39 Prozent weniger Kalorien am Tag.

Der schnelle Gewichtsverlust birgt jedoch eine versteckte Gefahr: Etwa 25 Prozent des verlorenen Gewichts sind nicht Fett, sondern Muskelmasse. Wer Muskeln verliert, wird schwächer und senkt seinen täglichen Energiebedarf – langfristig verbrennt der Körper also weniger Kalorien. Zudem werden durch weniger gegessene Nahrung auch weniger Proteine, Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen.

Dass sich dieser Nährstoffmangel negativ auf die Gesundheit auswirken kann, haben mehrere Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health und der Universität Kopenhagen überprüft. Die Ergebnisse ihrer Studie haben sie im Fachmagazin „Journal of Nutrition“ veröffentlicht.

Ihre Studie ergab, dass GLP-1-Anwender einen Mangel an Vitamin-B12 aufweisen, das die Nerven schützt. Zudem fehlt es ihnen an Protein, das Muskeln und Organe repariert, und an Ballaststoffen, die das Verdauungssystem unterstützen.

Da GLP-1-Medikamente Millionen von Patienten erreichen, sei es „nicht nur ratsam, sondern dringend notwendig“, die Ernährung in die Behandlung zu integrieren, betonten die Forscher.

Vitamin-B12 kommt häufig in tierischen Lebensmitteln vor. Daher besteht für Menschen, die sich vegetarisch ernähren, ein erhöhtes Risiko, durch die Abnehmspritze einen Vitamin-B12-Mangel zu entwickeln.

Die Studie ergab außerdem, dass 43 Prozent der GLP-1-Anwender unzureichende Mengen an Eiweiß zu sich nehmen und eine geringe Ballaststoffzufuhr zu Übelkeit, Blähungen und Verstopfung führen kann, „wodurch ein Teufelskreis entsteht, in dem die Patienten noch weniger essen“.

Vitamin-D-Mangel

Besonders in den USA nehmen Kinder unter 12 Jahren Abnehmmedikamente. Eine Studie der Northwestern University belegt, dass fast jedes sechste Kind im Alter von zehn bis 17 Jahren, das GLP-1-Medikamente einnahm, unter Vitamin-D-Mangel litt.

Das Vitamin, das Milch und Getreide zugesetzt wird und das der Körper bei Lichteinstrahlung selbst produziert, trägt zur Knochengesundheit bei und unterstützt das Immunsystem.

„Nährstoffe wie Vitamin D, Eisen und Kalzium sind insbesondere während der Adoleszenz von Bedeutung, da ein Mangel dauerhafte Auswirkungen auf die Knochengesundheit und die allgemeine Entwicklung haben kann“, stellten die Studienautoren fest.

Auch bei Erwachsenen wurde der Mangel nachgewiesen. Eine Überprüfung ergab, dass bei 13,6 Prozent der mehr als 480.000 Erwachsenen, die die Medikamente einnahmen, nach einem Jahr Behandlung ein Vitamin-D-Mangel vorlag.

Zu den Anzeichen einer Mangelerscheinung gehören Schwäche, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und trockene Haut. Auch Hautausschläge, Haarausfall und brüchiges Haar, Infektionen, niedrige Körpertemperatur und verlangsamter Herzschlag gehören zu den Symptomen.

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