Die Tage werden kürzer, die Temperaturen draußen sinken, drinnen läuft die Heizung. Während Menschen sich auf die kalte Jahreszeit vorbereiten, beginnt für zahlreiche Insekten die Suche nach einem sicheren Platz zum Überwintern. Warm und trocken soll es sein. In der Natur verstecken sie sich unter Baumrinde, in Bodenstreu oder in Holzstapeln.
Oft aber quartieren sie sich auch in Wohnungen, Häusern, Dachböden und Schuppen ein. Wer im Herbst plötzlich summende oder krabbelnde Besucher an Fenstern, Wänden oder Lampen entdeckt, erlebt deshalb meist kein ungewöhnliches Naturereignis, sondern den normalen Teil des Jahreszyklus vieler Insektenarten.
Treten die Wintergäste jedoch in großer Zahl auf, können sie ganz schön lästig werden. Besonders häufig fallen derzeit sogenannte Stinkwanzen auf. Der umgangssprachliche Begriff bezeichnet verschiedene Arten aus der Familie der Baumwanzen. Sie sitzen an Hausfassaden, sammeln sich an Fenstern und gelangen selbst durch winzige Öffnungen ins Gebäudeinnere.
Schwirren diese Insekten mit lautem Brummen durch die Wohnung, können sie dem Menschen auf die Nerven gehen. Und wenn man ihnen etwa mit der Fliegenklatsche zu Leibe rückt, können sie auch noch sehr unangenehm werden: Denn bei Gefahr geben sie ein meist übel riechendes Sekret ab, um sich vor Angreifern zu schützen.
Jürgen Deckert, der viele Jahre lang die Wanzensammlung am Museum für Naturkunde in Berlin betreute, rät zur Gelassenheit. Die einzige Wanzenart, die Menschen tatsächlich schadet, sei die blutsaugende Bettwanze. Mehr als 1000 Wanzenarten leben allein in Mitteleuropa, doch die allermeisten ernähren sich von Pflanzensäften.
Unter den Stinkwanzen, die in Wohnungen zu Dutzenden oder im Extremfall sogar zu Hunderten auftauchen können, sind etwa die Ulmenwanze, die Birkenwanze und die Gemeine Bodenwanze. Auch die Gartenwanze taucht regelmäßig in Wohnungen auf – und die vor etwa 20 Jahren aus Nordamerika eingeschleppte und schon wegen der Größe auffällige Amerikanische Zapfenwanze, erklärt Deckert.
Amerikanische ZapfenwanzeMit einer Körperlänge von bis zu zwei Zentimetern fällt die Amerikanische Zapfenwanze besonders auf. Ihr lautes Fluggeräusch sorgt oft dafür, dass Bewohner die Tiere überhaupt erst bemerken. Anders als bei vielen heimischen Wanzen riecht ihr Abwehrsekret eher nach Nadelbäumen als unangenehm faulig.
Die Anzahl der an Pflanzen saugenden Wanzenarten kann von Jahr zu Jahr stark schwanken, gelegentlich gebe es Massenvermehrungen, sagt Deckert. Das komme vor allem dann vor, wenn es gegen eingeschleppte Arten keine natürlichen Feinde wie parasitische Schlupfwespen oder auch Vögel gebe.
Zur Entwicklung der Wanzenbestände trägt aber auch der Klimawandel bei: Die steigenden Temperaturen der vergangenen Jahrzehnte ermöglichten es den meist wärmeliebenden Arten, besonders aus dem Mittelmeerraum, sich hierher auszubreiten, erklärt Deckert. „Sie wandern oft aktiv in Mitteleuropa ein.“
Sie krabbeln durch feine Ritzen
Wanzen sind allerdings nicht die einzigen tierischen Wintergäste. Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) ziehen auch zahlreiche andere Insekten in menschliche Behausungen ein.
Besonders bekannt sind Halmfliegen. Die nur wenige Millimeter großen Tiere können in großer Zahl auftreten und selbst kleinste Öffnungen nutzen. Teilweise gelangen Tausende von ihnen durch feine Ritzen ins Haus. Tote Fliegen kann man absaugen. Aufgrund der großen Menge an Honigtau, den diese Fliegen gefressen haben, kann jedoch der Staubsauger beschädigt werden, warnt das Laves.
Die klassische StallfliegeAuch Stallfliegen suchen im Herbst geschützte Quartiere auf. Sie halten sich bevorzugt in Regionen mit Weidevieh auf und überwintern häufig in Dachböden, Zwischenwänden oder Hohlräumen von Gebäuden. Da sie sich zuvor oft in der Nähe von Tierkot aufhalten, sollten sie nicht in die Nähe von Lebensmitteln gelangen.
Ein weiterer häufiger Gast ist der Asiatische Marienkäfer. Die ursprünglich zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingeführte Art hat sich in Deutschland stark ausgebreitet. Gegen Ende Oktober können die Käfer sogar zu Tausenden in Gebäude eindringen. Experten gehen davon aus, dass sie heimische Marienkäferarten teilweise verdrängen.
Der asiatische Marienkäfer bietet schillernde Farben auf seinem PanzerWas aber tun, wenn sich die ungebetenen Gäste bereits in der Wohnung befinden? Experten empfehlen, die Tiere möglichst unverletzt nach draußen zu bringen. Bewährt hat sich die Glas-und-Papier-Methode: ein Glas über das Insekt stülpen, ein Blatt Papier darunter schieben und das Tier ins Freie transportieren. Bei massivem Befall kann auch die Unterstützung eines Schädlingsbekämpfers sinnvoll sein.
Die meisten Insekten fressen den Winter über nichts, können aber Viren oder Bakterien mitbringen. Deshalb sollten Lebensmittelvorräte sorgfältig kontrolliert werden, um mögliche Kontaminationen zu verhindern, rät das Laves.
Die beste Strategie gegen die lästigen Tierchen bleibt, den Gästen den Zutritt von Anfang an zu erschweren. Gegen das Eindringen hilft vor allem Vorbeugung. Fliegengitter und das Abdichten von Ritzen und Spalten gelten als wirksamste Maßnahmen.
Und wer jetzt noch allein bei dem Gedanken an Wanzen die Nase rümpft, sollte wissen: Nicht jede Wanze riecht unangenehm. Die auffällig rot-schwarz gefärbte Zimtwanze, die zu einer anderen Wanzenfamilie gehört als die Stinkwanzen, macht ihrem Namen tatsächlich alle Ehre. Ihr Duft erinnert eher an Weihnachtsgebäck als an einen lästigen Wintergast.
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