Auf einmal fünf Zentimeter kleiner als es im Personalausweis steht? Die Erklärung dafür kann Osteoporose sein, sagt der Orthopäde Uwe Maus. Bei fortgeschrittenem Knochenschwund können Wirbel unbemerkt brechen – und Betroffene schrumpfen lassen.
Am besten kommt es gar nicht erst so weit. Gut, wenn man weiß, wo man selbst im Hinblick auf das Osteoporose-Risiko steht. Und wie man mit den richtigen Lebensgewohnheiten die Knochen stärkt. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Was genau ist Osteoporose?
„Bei Osteoporose handelt es sich um eine Erkrankung, bei der sich Knochendichte und -struktur zurückbilden“, sagt Uwe Maus, Leiter der Sektion Osteologie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Die Knochen lagern dann immer weniger Mineralstoffe wie Kalzium ein, die ihnen ihre Härte verleihen.
Schreitet die Erkrankung unbehandelt fort, braucht es mitunter nur einen leichten Sturz für einen Knochenbruch. „Patienten machen eine falsche Bewegung, heben einen Kasten Wasser hoch und dann knackt es im Rücken“, beschreibt Jürgen Ropers von der Schön Klinik Neustadt.
Was erhöht das Osteoporose-Risiko?
Die entsprechende medizinische Leitlinie listet insgesamt 33 Risikofaktoren auf. Ein besonders wichtiger ist das Geschlecht. Frauen erkranken mehr als viermal so häufig an Osteoporose wie Männer, schreibt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Die Erklärung dafür ist vor allem im Östrogenabfall während der Wechseljahre zu finden. Dieses Hormon schützt vor Knochenabbau.
Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist das Alter. Mit den Jahren baut sich immer mehr Knochensubstanz ab. Eine Entwicklung, die früher einsetzt, als viele denken. „Ab einem Alter von etwa 30 Jahren geht es los“, sagt Jürgen Ropers, Chefarzt der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie. Eine Osteoporose entwickelt sich meist erst nach dem 50. Lebensjahr.
Weitere Risikofaktoren sind:
- familiäre Vorbelastung, etwa wenn ein Elternteil Osteoporose hatte
- Erkrankungen wie Diabetes (Typ 1 und Typ 2), Schilddrüsenüberfunktion, Rheuma, Zöliakie und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- die längerfristige Einnahme von Kortisonpräparaten
- Untergewicht
- Rauchen
Ich habe einen oder mehrere dieser Risikofaktoren – und nun?
„Wenn man von Risikofaktoren weiß, ist es sinnvoll, sich ab einem Alter von 50 Jahren ärztlich beraten und gegebenenfalls auch untersuchen zu lassen“, sagt Jürgen Ropers. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis.
„Spätestens, wenn man Knochenbrüche hat, sollte man einmal auch an Osteoporose denken“, sagt Uwe Maus. Ansonsten rät er, ab einem Alter von 70 Jahren einmal die Knochendichte checken zu lassen – bei Risikofaktoren entsprechend früher. Tückisch ist, dass Betroffene eine Osteoporose über lange Zeit gar nicht spüren.
Zur Abklärung gehören ein Arztgespräch über Vorerkrankungen, Medikamente und Lebensgewohnheiten. „Außerdem gibt es eine Blutuntersuchung, die dem Ausschluss anderer Erkrankungen dient“, sagt Uwe Maus.
Dann kommt die Knochendichtemessung ins Spiel. Sie wird in orthopädischen und radiologischen Praxen durchgeführt. Doch wie funktioniert sie genau? Und was verrät das Ergebnis?
Wie funktioniert eine Knochendichtemessung?
Standard ist das sogenannte DXA‑Verfahren. Dafür legt man sich als Patient oder Patientin auf eine Art Liege, über der sich ein Bügel befindet, wie der Orthopäde Uwe Maus beschreibt. „Das ist der Röntgenarm. Vereinfacht gesagt, sendet der zwei schwache Röntgenstrahlen aus. Einer geht in einen Bereich, wo Weichteile sind, einer dorthin, wo Knochen ist“, sagt der Sektionsleiter Osteologie der DGOU.
Die Messung sollte optimalerweise an drei Stellen erfolgen: an beiden Hüften sowie an der Lendenwirbelsäule. „Diese Messorte sind am aussagekräftigsten, wenn es um Osteoporose geht“, sagt Maus.
Das Gerät ermittelt, wie stark die Knochen die Röntgenstrahlen abschwächen. „Man schaut also, wie stark der Röntgenstrahl abgeschwächt wird. Aus diesem Wert errechnet dann der Computer die Knochendichte“, erklärt Maus.
Was sagt das Ergebnis aus?
Die gemessene Knochendichte wird unter anderem anhand des sogenannten T-Wertes eingeordnet. Er vergleicht die Knochendichte mit der eines gesunden jungen Erwachsenen. Ein Wert zwischen 0 und −1 gilt als normal. Liegt er unter −1, ist die Knochendichte vermindert. Bei einem T-Wert von weniger als −2,5 sprechen Fachleute von Osteoporose.
Eine hundertprozentige Sicherheit liefert die Messung allerdings nicht, wie der Orthopäde Jürgen Ropers von der Schön Klinik Neustadt sagt. „Es kann passieren, dass man bei der Messung zufällig Anteile eines Knochens trifft, der sich sehr dicht darstellt – etwa, wenn sich dort eine Arthrose entwickelt hat.“
Die Knochendichtemessung ist deshalb ein wichtiger Baustein bei der Abklärung, aber nicht der einzige. Auch die Ergebnisse des Arztgesprächs, mögliche Vorerkrankungen, eingenommene Medikamente und die Blutuntersuchung fließen in die Beurteilung ein.
Ob anschließend eine Behandlung nötig ist, etwa mit Medikamenten, hängt vom Gesamtbild ab. „Bei jüngeren Patienten akzeptiert man schlechtere Knochendichten eher, weil sie nicht so ein hohes Grundrisiko haben. Bei älteren Menschen behandelt man tendenziell früher“, sagt Maus.
Wann zahlt die Krankenkasse die Knochendichtemessung?
Wer die Knochendichte ohne konkreten Krankheitsverdacht überprüfen lassen möchte, muss die Untersuchung in der Regel selbst bezahlen. Die Kosten liegen etwa zwischen 30 und 70 Euro.
Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Messung eine Kassenleistung: etwa, wenn es bereits zu einem Knochenbruch gekommen ist oder wenn Ärztinnen und Ärzte aufgrund konkreter Befunde eine medikamentöse Behandlung des Knochenschwunds erwägen. Als Beispiel nennt die Verbraucherzentrale eine hochdosierte Kortisonbehandlung über einen längeren Zeitraum.
Wurde bereits eine Osteoporose festgestellt, haben Betroffene alle fünf Jahre Anspruch auf eine Knochendichtemessung auf Kassenkosten.
Allerdings zeigte ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2024, dass Versicherte die Untersuchung häufig nicht als Kassenleistung in Anspruch nehmen können. Manche Praxen bieten sie nur als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an. Der Tipp der Verbraucherschützer: Erkundigen Sie sich vorab gezielt bei den Praxen, ob diese die erforderliche Genehmigung haben, die Messung als Kassenleistung abzurechnen.
Wie kann man Brüchen vorbeugen?
Immer gut, auch für die Knochen: Bewegung ins Leben holen. Hier ist vor allem Krafttraining relevant. „Durch die Belastung weiß der Knochen: Er wird gebraucht“, sagt Jürgen Ropers. Das schützt ihn vor dem Abbau. Außerdem schützen kräftige Muskeln vor Stürzen, weil sie dem Körper mehr Halt geben.
„Gerade im Alter sollte man zusätzlich auch auf Trainingsformen setzen, die die Balance schulen, etwa Yoga oder Tai-Chi“, rät Uwe Maus. Auch das schützt vor Stürzen und damit vor Brüchen.
Geht es darum, was wir für starke Knochen essen sollten, denken viele an Milchprodukte. Kalzium lautet hier das Stichwort. Doch nicht nur Milch, Joghurt und Käse liefern viel von dem Mineralstoff, sondern auch einige Gemüsesorten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt als Beispiele Brokkoli, Grünkohl und Rucola.
„Wer das alles nicht mag, kann immer noch auf Mineralwasser ausweichen“, sagt Uwe Maus. Wasser mit mehr als 150 Milligramm Kalzium pro Liter darf sich kalziumhaltig nennen. „Das geht hoch bis zu 600 mg pro Liter. Man muss dann nur eines finden, das einem schmeckt und wovon man genügend trinkt.“ Hintergrund: Kalziumreichen Wässern wird oft ein stumpfer Geschmack nachgesagt.
Aus welcher Quelle das Kalzium auch kommt: Damit es in die Knochen eingebaut werden kann, braucht es noch einen Helfer – Vitamin D. Das kann unser Körper selbst bilden, wenn Sonnenlicht auf die Haut trifft. Zu einem kleinen Teil lässt sich der Bedarf auch über fetten Seefisch wie Hering, Lachs oder Makrele decken.
Ob und in welcher Dosierung Vitamin-D-Präparate zur Vorbeugung von Osteoporose sinnvoll sind, bespricht man am besten individuell mit dem Hausarzt oder der Hausärztin, rät Jürgen Ropers.
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