Eine Überdosis Wurzelgemüse hätte einen 82-Jährigen beinahe umgebracht. Über Wochen aß der Mann kiloweise Rote Bete. Nach einem Abendessen wird ihm schließlich schwindelig und er muss in der Notaufnahme behandelt werden. Dort entdecken die verblüfften Ärzte eine lebensbedrohliche Blutveränderung.

Rote Bete gilt zu Recht als gesund. Wertvolle Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe stecken darin. Der rote Farbstoff Betanin wirkt als entzündungshemmendes Antioxidans. Der Stoff senkt auch den Blutdruck.

Doch der ältere Herr aus den USA übertrieb es in seinem Ernährungseifer. Jede Woche aß er jeweils knapp drei Kilogramm gekochte Rote Bete. Dazu trank er noch das Kochwasser. Schließlich streikte sein Körper. Die erstaunten Ärzte, die ihn behandelten, beschrieben seinen ungewöhnlichen Fall nun im „Journal of Emergency Medicine“.

Nachdem ihm beim Abendessen schwindelig geworden war, wurde der Mann in die Notaufnahme der University of California eingeliefert. Auffällig waren die schiefergraue Haut des Mannes und sein bedrohlich niedriger Blutdruck. Über eine Atemmaske erhielt er Sauerstoff, doch sein Zustand verbesserte sich kaum: Die Sauerstoffsättigung im Blut blieb bei bedenklich niedrigen 88 Prozent. Gleichzeitig schien seine Lunge aber gut zu funktionieren.

Die Ärzte waren ratlos. Dann diagnostizierten sie eine sogenannte Methämoglobinämie. Dahinter verbirgt sich eine Veränderung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin: Das darin enthaltene Eisenatom wird in eine andere Form umgewandelt. In diesem Zustand kann es keinen Sauerstoff mehr aufnehmen und transportieren. Das Blut wird also sauerstoffarm, obwohl die Lunge einwandfrei arbeitet.

Normalerweise verhindert ein körpereigenes Enzym, dass zu viel verändertes Hämoglobin entsteht. Doch bei dem 82-Jährigen war dieser Schutzmechanismus durch eine enorme Menge Nitrat in seinem Blut schlicht überfordert. Dieses kam aus der Roten Bete, wo es für blutdrucksenkende Effekte verantwortlich ist. Sein Methämoglobinwert lag bei knapp 21 Prozent – weit oberhalb der 15 Prozent, die als klinisch gefährlich gelten und eine schwere Gewebeunterversorgung auslösen können.

Erster bekannter Fall dieser Art

Erschwerend kam hinzu, dass der Mann wegen schwerer koronarer Herzerkrankung behandelt wurde: Er hatte mehrere Bypässe sowie einen erst zwei Monate zuvor gesetzten Koronarstent und nahm täglich Isosorbidmononitrat – ein Medikament, das Nitrat enthält und die Herzkranzgefäße erweitert. Die Kombination aus medikamentösen und diätetischen Nitraten wurde ihm zum Verhängnis.

Nachdem die Ärzte das Problem erkannt hatten, gelang es ihnen rasch, den Gesundheitszustand des Mannes zu stabilisieren. Die Therapie war dabei ebenso ungewöhnlich wie wirkungsvoll: Die Ärzte injizierten Methylenblau – einen synthetischen Farbstoff, der als Gegenmittel bei Methämoglobinämie eingesetzt wird und die Rückumwandlung des veränderten Hämoglobins beschleunigt.

Die Färbung der Haut verschwand, und die Sauerstoffsättigung stieg auf 99 Prozent – ohne zusätzliche Sauerstoffgabe. Der Patient konnte das Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen, mit der Empfehlung, seinen Rote-Bete-Konsum drastisch einzuschränken.

Die Autoren betonen, dass Methämoglobinämie durch Gemüsenitrate bei Erwachsenen bislang nicht beschrieben worden war – bekannt gewesen war das Phänomen bisher nur bei Säuglingen mit nitrathaltigen Gemüsepürees. Der Fall zeige, wie eine vermeintlich gesunde Ernährung in Kombination mit bestimmten Medikamenten unerwartete Folgen haben kann – gerade bei älteren Menschen mit eingeschränkter Herzfunktion.

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