Das große Husten und Schniefen geht wieder los: Mit dem Herbst beginnt auch die Saison der Atemwegserkrankungen. Es gebe langsam einen Anstieg entsprechender Symptome, sagte Berit Lange, Leiterin der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und Mitglied der Ständigen Impfkommission. Derzeit zirkulierten vor allem Erkältungsviren.
„Wir sehen erst die Nicht-Influenza-Viren“, sagte Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie an der Technischen Universität München. Dazu gehörten Rhinoviren und Parainfluenzaviren, gegen die man nicht impfen könne.
Zu sehen seien diese Viren im Abwassermonitoring, erklärte Protzer. Daran sei deutlich sichtbar, dass in allen Bundesländern mittlerweile wieder die Schule angefangen habe. Auch das Oktoberfest sei regelmäßig ein Ereignis, bei dem sich sehr viele Menschen infizierten.
Helfen kann Protzer zufolge eine Schutzmaske – insbesondere wenn Erkrankte sie tragen. Die oft als ungefährlich angesehenen Erkältungen könnten bei Patienten mit Immunschwäche zu einer Einweisung ins Krankenhaus und einer Aufnahme auf die Intensivstation führen.
Was kommt üblicherweise nach den Erkältungsviren?
Erfahrungsgemäß verbreite sich anschließend das Coronavirus, sagte Epidemiologin Lange. Die Covid-19-Infektionswelle könne sogar schon im Spätsommer beginnen. Im Verlauf der Saison Richtung Jahresende und zum Beginn des nächsten Jahres wird erwartet, dass auch Grippe- und RS-Viren wieder eine größere Rolle spielen.
Wie gut lässt sich die Saison der Atemwegsinfekte vorhersagen?
Was in den kommenden zwei bis vier Wochen passiere, sei relativ gut vorherzusagen, sagte Lange. Schwerer zu beurteilen sei es, wie die gesamte Saison verlaufe und wann es zu Höhepunkten komme.
Die Viren verändern sich Protzer zufolge immer ein wenig. Manchmal gebe es Varianten, bei denen die Viren sich besser vermehrten, ansteckender seien oder schlechter durch das Immunsystem erkannt würden. Außerdem hänge der Verlauf der Saison auch davon ab, wie viele Menschen sich impfen ließen, ergänzte Lange.
Wie gut schützen Impfungen?
Die momentan verwendeten Impfstoffe gegen Coronaviren schützten gut, auch gegen die neu auftretenden Varianten, sagte Protzer. Bei Influenza könne es sein, dass die Viren sich plötzlich relativ stark verändern und das Immunsystem nicht besonders gut vorbereitet sei, sagte Protzer.
Deshalb gebe es eine Überwachung auf der Südhalbkugel, bei der die dort zirkulierenden Viren untersucht und die hiesigen Impfstoffe entsprechend angepasst würden. Die momentane Zusammensetzung der Impfstoffe sei etwa auf die Viren abgestimmt, die beispielsweise in Australien zirkulierten.
Wem werden Impfungen offiziell empfohlen?
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Impfungen gegen Grippe unter anderem für Menschen ab 60 Jahren sowie für Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere und Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Eine Impfung gegen Covid-19 und RSV wird Menschen ab 75 Jahren oder auch jüngeren Personen mit Grunderkrankungen empfohlen.
Das Immunsystem braucht etwa zwei Wochen, bis ein Schutz aufgebaut ist, der dann mehrere Monate hält. Auch Impfstoffe aus der vergangenen Saison böten einen ausreichend guten Schutz, sagte der Vorsitzende der Stiko, Reinhard Berner.
Wo kann ich mich impfen lassen?
Impfungen bieten etwa Hausärzte, Betriebsärzte und Apotheken an. Die Zahl der Apotheken, in denen Impfungen angeboten werden, sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, teilte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) mit.
Wie hoch sind die Impfquoten?
Berner zufolge gibt es in Deutschland seit Jahren unzureichende Impfquoten, insbesondere bei Menschen, die wegen Grunderkrankungen besonders geschützt werden sollten. Unter Grunderkrankungen versteht man bestehende Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für schwerere Verläufe bei Infektionskrankheiten einhergehen.
Gegen Influenza ließen sich etwa 30 bis 40 Prozent der erwachsenen Menschen mit Grunderkrankungen impfen, bei Kindern mit Grunderkrankungen lägen die Zahlen bei etwa 10 Prozent. „Wir nehmen in Kauf, dass 90 Prozent unserer gefährdeten Kinder nicht geschützt sind“, sagte Berner. Er plädierte dafür, dass Impfungen etwa auch im Krankenhaus unter Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen durchgeführt werden könnten.
Wie verlief die vergangene Saison?
In der Wintersaison 2025/26 gab es nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 180 Millionen Atemwegserkrankungen, darunter Influenza, Covid-19, RSV-Erkrankungen, Rhinoviren oder saisonale Coronaviren. Kleinkinder hatten im Durchschnitt 4,6 akute Atemwegserkrankungen, Erwachsene ab 60 Jahren im Schnitt 1,3.
Etwa 429.000 Fälle von schweren akuten respiratorischen Infekten wurden deutschlandweit in Kliniken behandelt. Es starben rund 22.700 Menschen. Das RKI stuft die Saison auf Basis dieser Zahlen als moderat und mit der in anderen Ländern vergleichbar ein.
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