Zuckerreiche Nahrung kann die schädlichen Auswirkungen von Breitbandantibiotika auf das Darmmikrobiom womöglich verstärken. Darauf deutet eine Studie mit Krebspatienten hin, die im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht wurde.
Sollten Menschen während der Einnahme von Antibiotika also generell auf Zucker verzichten? „Es ist verfrüht, allen, die Antibiotika einnehmen, zu empfehlen, auf Zucker zu verzichten“, sagte Mitautor Marcel van den Brink vom US-Krebsforschungs- und Behandlungszentrum City of Hope.
„Andererseits haben wir keine eindeutigen Belege dafür, dass Probiotika dazu beitragen, die Vielfalt des Mikrobioms zu erhalten oder wiederherzustellen – und viele Menschen entscheiden sich trotzdem dafür, sie einzunehmen. Es schadet nicht, den Zuckerkonsum in der Ernährung zu begrenzen, und es ist leicht, dies auszuprobieren.“
Antibiotika werden zur Behandlung von Infektionen eingesetzt, zerstören jedoch in großem Umfang auch nützliche Bakterien im Darm, wodurch sich schädliche Mikroben übermäßig vermehren können. Das Forschungsteam untersuchte nun Patienten, die wegen einer Blutkrebserkrankung eine Stammzelltransplantation erhielten.
Sie erhalten häufig Antibiotika, zudem ist eine genaue Erfassung der Nahrungsaufnahme während des Krankenhausaufenthalts möglich. Die Gruppe um Jonathan Peled vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York erfasste 9419 Mahlzeiten von 173 Krebspatienten.
Bei 158 Patienten wurden zudem Stuhlproben auf Veränderungen der Darmflora analysiert. Alle Patienten erhielten während des Erfassungszeitraums mindestens ein Antibiotikum. 80 Prozent bekamen zeitweise Breitbandantibiotika, die die stärkste Wirkung auf das Mikrobiom ausüben, da sie auf viele verschiedene Bakterienarten abzielen.
Die Forscher verglichen die Ernährung in den zwei Tagen vor der jeweiligen Stuhlprobe mit der Zusammensetzung des Darmmikrobioms. Zur Bewertung diente die sogenannte Alpha-Diversität, ein Maß für die Vielfalt vorhandener Bakterienarten.
Die Kombination aus zuckerreichen Lebensmitteln und Breitbandantibiotika schien die Schädigung des Mikrobioms zu verstärken: Bei jeweils 100 Gramm zusätzlicher Nahrung aus der Kategorie „Süßigkeiten und zuckerreiche Lebensmittel“ nahm die Bakterienvielfalt nach Modellschätzung um rund 24 Prozent ab. Gemeint ist dabei das Trockengewicht der Lebensmittel, nicht 100 Gramm reiner Zucker.
Wachstumshilfe für resistente Darmkeime
„Egal, wie wir die Daten analysierten, tauchte immer wieder dasselbe deutliche Signal auf“, erklärte van den Brink. „Bei Patienten, die während der Antibiotikabehandlung mehr Süßes zu sich nahmen, war die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts der Mikrobiomvielfalt höher, da aggressive Mikroben andere Bakterienstämme verdrängten.“
Besonders galt das für die Menge an Enterokokken, speziell Enterococcus faecium. Dieses Bakterium kann bei sehr kranken Menschen zu schwer zu behandelnden Infektionen führen. Die Forscher überprüften ihre Beobachtungen anschließend auch in Versuchen mit Mäusen. Dort verstärkte Saccharose – der chemische Name für Haushaltszucker – nach einer Behandlung mit dem Antibiotikum Biapenem die Vermehrung von Enterokokken.
Die Bakterienlast war am dritten Tag 16,3-fach und am sechsten Tag 33,4-fach höher als bei Tieren, die zwar das Antibiotikum, aber keinen zusätzlichen Zucker erhielten. Saccharose allein veränderte die Enterokokken-Menge nicht wesentlich.
Die Forscher halten für möglich, dass Zucker den nach einer Antibiotikabehandlung verbliebenen Bakterien das Wachstum erleichtert. Welcher Mechanismus tatsächlich wirkt, ist aber noch offen.
Die Studie belegt nicht, dass eine zuckerarme Ernährung Infektionen verhindert oder Überlebenschancen verbessert. Untersucht wurde eine besonders schwer kranke Patientengruppe während einer intensiven Behandlung. Die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Antibiotika einnehmenden Menschen übertragen.
Zudem beobachtete die Studie die Ernährung und griff nicht gezielt in sie ein. Es müsse nun gezielt untersucht werden, ob eine zeitweise Ernährungsumstellung das Mikrobiom und Krankheitsverläufe tatsächlich verbessert, hieß es.
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