Spätestens seit der Corona-Pandemie ist bekannt, dass nach einer überstandenen Atemwegsinfektion dauerhafte Beschwerden bleiben können. Die Betroffenen klagten über Gelenk- und Muskelschmerzen, fühlten sich müde, kraft- und antriebslos. Die Symptome wurden unter dem Sammelbegriff „Long Covid“ zusammengefasst. Doch solche Langzeitfolgen treten keineswegs nur nach einer Infektion mit dem Coronavirus auf.

Dauern die Beschwerden länger als zwölf Wochen an, spricht die Medizin von einem postakuten Infektionssyndrom (PAIS). Und es ist weiter verbreitet, als bislang vermutet wurde, wie eine Analyse der Universitätsmedizin Halle zeigt.

Im „Deutschen Ärzteblatt“ berichten sie, dass sich auch nach einer Infektion mit Influenzaviren und anderen Atemwegserregern viele Patienten zunächst nicht wieder richtig erholen.

Professor Rafael Mikolaijczyk, Direktor des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Universität Halle, erklärt das Phänomen so: „Von ausgeprägter Erschöpfung und geringer körperlicher Belastbarkeit bis hin zu Atemnot gibt es eine Vielzahl von Symptomen, die bei PAIS auftreten können. Die Beschwerden sind medizinisch oft schwer einzuordnen und entsprechend schwierig zu behandeln.“

Die Analyse der Hallenser Mediziner ist Teil von DigiHero, einer deutschlandweiten Studie zur digitalen Gesundheitsforschung. Bislang haben sich mehr als 128.000 Personen dafür registriert. Sie werden zu Umfragen eingeladen, bei denen es unter anderem um chronische Krankheiten, gesundes Altern und psychisches Wohlbefinden geht.

Nicht auf einen Erreger beschränkt

Bislang gab es kaum Daten dazu, wie häufig PAIS in der Bevölkerung nach der Corona-Pandemie auftritt und in welchem Umfang Betroffene medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, wie Jonas Frost, der Erstautor der Studie, erklärt.

Co-Autorin Friederike Peter ergänzt: „Unsere Analyse zeigt, dass PAIS ein relativ häufiges und klinisch relevantes Problem nach Atemwegsinfektionen ist und dabei nicht auf einen bestimmten Erreger beschränkt ist.“

Darstellung eines Coronavirus

An der Befragung im Zeitraum vom September 2024 bis August 2025 hatten sich 47.000 Personen beteiligt. Knapp die Hälfte (48 Prozent) gab an, in diesen Monaten eine Atemwegsinfektion durchgemacht zu haben, wobei Jüngere häufiger betroffen waren als Ältere.

Von den Personen, die eine Erkältung durchgemacht hatten, gaben 19 Prozent an, auch nach zwölf Wochen noch unter Beschwerden gelitten zu haben. Während die Jüngeren insgesamt häufiger erkältet sind, berichten die Älteren häufiger über anhaltende Symptome.

Ein großer Teil der Personen mit anhaltenden Beschwerden nahm an einer Folgebefragung teil. Insbesondere nach einer Corona- und Influenza-Infektion zeigten sich ähnliche Beschwerdebilder. Die Betroffenen klagten, weniger belastbar, rasch erschöpft und schnell außer Atem zu sein. Neun von zehn gaben an, dadurch in ihrem Alltag beeinträchtigt zu sein.

Innerhalb von zwölf Monaten waren 17 Prozent der Betroffenen wieder vollständig genesen. Bei der Mehrheit der Betroffenen hielten die Beschwerden also mehr als ein Jahr an. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) aller Personen, die nach der akuten Infektionsphase unter anhaltenden Symptomen litten, suchte medizinische Hilfe auf. Wie genau sie medizinisch behandelt wurden, erfasste die Befragung nicht.

„Insgesamt gehen wir von einem Risiko von 16 Prozent aus, nach einer Atemwegsinfektion innerhalb des abgefragten Zeitraums lang anhaltende Beschwerden zu entwickeln“, fasst Studienautor Frost das Ergebnis zusammen.

Die genauen Ursachen für Long Covid und andere Formen des postakuten Infektionssyndroms sind noch nicht genau erforscht. Als mögliche Mechanismen gelten unter anderem Fehlregulationen des Immunsystems, anhaltende Entzündungsreaktionen oder Störungen des Nervensystems.

Da es bislang keine spezifische Therapie gibt, konzentriert sich die Behandlung vor allem auf die Linderung der Symptome und die Unterstützung der Betroffenen im Alltag. Unter anderem lernen sie, ihre verbliebene Energie gut einzuteilen.

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