Herzinfarkt, Diabetes oder Nierenerkrankungen treten meist erst im höheren Alter auf. Doch erste Veränderungen, die das Risiko dafür erhöhen, beginnen offenbar schon viel früher.
Das zeigt eine neue Studie im Fachjournal „Nature Metabolism“. Forscher untersuchten 273 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen acht und 17 Jahren aus einer Region an der US-mexikanischen Grenze. Im Durchschnitt waren sie 13 Jahre alt.
Die Forscher analysierten mehr als 5000 Proteine im Blut und suchten nach Mustern, die mit Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen zusammenhängen. Dazu gehörten etwa Übergewicht, Insulinresistenz, Blutdruck, Cholesterin sowie Veränderungen an Leber und Nieren.
Sie fanden sechs typische Proteinmuster, unter anderem für Übergewicht und Entzündungsprozesse, Leberveränderungen, Blutdruck, Nierenfunktion und Insulinresistenz. Mehr als ein Drittel der Kinder hatte Adipositas. Auch ungünstige Blutfette, erhöhter Blutdruck und Insulinresistenz kamen vor.
„Im Blut zirkulierende Proteine können als Marker für beginnende Erkrankungen im gesamten Körper dienen. Diese frühen Marker können helfen, Menschen mit einem höheren Risiko zu identifizieren, um sie engmaschiger zu überwachen und gegebenenfalls frühzeitig einzugreifen“, wird Studienautorin Heather Highland in einer Mitteilung der Universität zitiert.
Besonders interessant war der Vergleich mit Erwachsenen. Die Forscher sahen ähnliche Proteinmuster auch bei ihnen. Anschließend überprüften sie die Signaturen bei mehr als 28.000 Teilnehmern der UK Biobank. Einige der bei den Kindern gefundenen Muster waren dort mit einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber und vorzeitigem Tod verbunden.
Die Forscher verglichen die auffälligen Proteine außerdem mit Daten einer GLP-1-Studie bei Erwachsenen. Viele Proteine, die bei Kindern mit einem ungünstigeren Stoffwechselprofil verbunden waren, veränderten sich unter der Behandlung in eine günstigere Richtung.
Das beweist nicht, dass sich dieses Risiko bei Kindern auf dieselbe Weise beeinflussen lässt. Es zeigt aber, dass die auffälligen Proteinmuster offenbar nicht unveränderlich sind. Studienautorin Kari North sagt: „Das macht diesen Zustand zu einem veränderbaren Risiko und nicht zu einem festgelegten Schicksal.“
Die Studie hat allerdings Grenzen. Es kann nicht gesagt werden, ob ein bestimmtes Proteinmuster bei einem einzelnen Kind Jahrzehnte später tatsächlich zu einer Erkrankung führt. Auch die Pubertät konnten die Forscher nicht vollständig berücksichtigen.
Die Ergebnisse zeigen damit, dass sich Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen bereits im Kindesalter im Blut finden lassen. Ob daraus eines Tages zuverlässige Bluttests entstehen, müssen weitere, größere Langzeitstudien zeigen.
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