Manche Dinge aus der Kindheit wird man einfach nicht los. Bei einer 59-jährigen Kanadierin galt das wörtlich. Seit ihrem achten Lebensjahr steckte ein kleiner Plastikbecher aus einem Barbie-Spielset in ihren Atemwegen fest. 51 Jahre lang entdeckte ihn niemand. Und das, obwohl die Frau immer wieder an Lungenentzündungen erkrankte, immer wieder Ärzte aufsuchte.
Den skurrilen Fall beschreiben Ärzte in der Fachzeitschrift „Case Reports in Pulmonology“. Das damals achtjährige Mädchen betonte demnach immer wieder, den kleinen Barbie-Plastikbecher, der in die winzigen Hände einer Barbiepuppe passt, eingeatmet zu haben. Auf Röntgenbildern war jedoch nichts zu erkennen. Die Ärzte gingen davon aus, dass sie ihn wieder ausgehustet hatte.
Nach dem Vorfall litt das Mädchen immer wieder unter Lungenentzündungen, bekam mehrfach Antibiotika. In der Jugend wurden die Beschwerden weniger. Dann ging es ihr viele Jahre gut.
Doch die Infektionen kehrten zurück. Immer wieder. Acht Jahre lang sahen Ärzte Auffälligkeiten auf Röntgenbildern, ohne die Ursache zu finden. Auch als Erwachsene erzählte die Frau von ihrem Vorfall.
Die Ärzte vermuteten dennoch eine sogenannte chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD – eine dauerhafte, fortschreitende Entzündung der Atemwege. Auch das frühere Rauchen kam für sie als Ursache infrage. Allein in den acht Monaten vor der entscheidenden Untersuchung erhielt die 59-jährige Frau fünf Antibiotikatherapien.
Erst eine Computertomografie zeigte, wie stark die Lunge inzwischen betroffen war: Teile des rechten unteren Lungenlappens waren zusammengefallen, zwei Bronchien blockiert. Weil man einen Tumor nicht ausschließen konnte, wurde die Frau zur weiteren Untersuchung überwiesen.
Bei einer anschließenden Bronchoskopie, also einer Spiegelung der Atemwege, entdeckten die Ärzte schließlich den Plastikbecher. Er steckte noch immer dort und verschloss die beiden Bronchien. Mit einer Zange und einem Auffangkörbchen konnten sie ihn aus den Bronchien entfernen.
Dass der Becher so lange unentdeckt bleiben konnte, liegt auch am Material. Denn Kunststoff kann auf normalen Röntgenaufnahmen unsichtbar bleiben. Ärzte sind dann darauf angewiesen, Symptome richtig zu deuten. Etwa Husten, Atemnot, pfeifende Atemgeräusche und immer wiederkehrende Lungenentzündungen.
Bei der 59‑Jährigen führten diese Warnzeichen nicht zur richtigen Diagnose. Die jahrzehntelange Blockade hat bei ihr Spuren hinterlassen. Denn auch nach der Entfernung blieben Teile der betroffenen Bronchien stark verengt.
Aufnahmen zeigen zudem Vernarbungen und sogenannte Bronchiektasen, also dauerhaft erweiterte und geschädigte Atemwege. Laut der Fachzeitschrift berichtet die Frau neun Monate nach dem Eingriff allerdings über keine anhaltenden Atembeschwerden oder Einschränkungen.
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