Das Wasserdefizit in Deutschland und Europa hat sich in den vergangenen Monaten weiter verschlimmert. Das zeigen aktuelle Daten der Satellitenmission „Grace Follow-on“, die das Potsdamer Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ) gemeinsam mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt betreibt.
Ein Satellitenduo misst dabei den Gesamtwassergehalt sowohl auf als auch unter der Erdoberfläche. Daraus lasse sich laut GFZ errechnen, wie stark sich die Wasserspeicherung verändert. Demnach zeigen sich seit 2015 zunehmend trockenere Bedingungen im Untergrund.
Professor Andreas Günter, Arbeitsgruppenleiter in der Sektion Hydrologie des GFZ, sagte: „Das überdurchschnittlich feuchte Jahr 2024 hatte zwar Erholung in der Wasserspeicherung gebracht, aber danach erfolgte sofort wieder eine starke Abnahme.“
Grundsätzlich sei die Abnahme der Grundwasserspiegel „für den größten Teil des langfristigen Rückgangs der Wasserspeicherung in Deutschland verantwortlich“, so Günter.
Die Forscher zeigten sich besorgt, denn die aktuellen Daten bis Juni konnten den Hitzesommer in Deutschland noch nicht vollständig abbilden, wie das GFZ mitteilte. Die Folgen der diesjährigen Hitzewellen würden sich erst in den Daten der kommenden Monate zeigen.
Diese Daten sollen im Herbst vorliegen. Die Forscher befürchten, dass sich die Grundwasserspeicher bis Ende des Jahres nicht mehr erholen werden.
Eva Börges von der GFZ-Sektion Erdsystemmodellierung hat die jüngsten Daten mit ausgewertet. Im Sommer 2025 habe es eine Abnahme der Gesamtwasserspeicherung gegeben, wie sie seit Beginn der Messungen im Jahr 2002 noch nicht beobachtet worden sei. Im Juni 2026 habe die Abnahme ungefähr auf demselben Niveau gelegen.
Im Vergleich zum langjährigen Mittel fehlten 25 Gigatonnen (eine Gigatonne ist eine Milliarde Tonnen), was in etwa der Hälfte der Wassermenge im Bodensee entspräche. Der Abgleich mit den Niederschlagsdaten zeige jedoch keinen langfristig negativen Trend in den Regenmengen, so Börges.
Es sei allerdings eine steigende potenzielle Verdunstung aufgrund gestiegener Lufttemperaturen zu beobachten – also der Wassermenge, die vom Erdboden in die Atmosphäre gelangen und dort verbleiben kann, erklärt Börges. Die Hitze führe zu einer größeren direkten Verdunstung aus Oberflächengewässern.
Hinzu komme, dass die Pflanzen umso mehr Wasser verdunsten, je heißer es wird. Sie entziehen dem Boden dann so lange Wasser, bis alles ausgeschöpft und für die Wurzeln nichts mehr erreichbar ist.
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