Eigentlich wäre es perfekt: Ein lauer Sommerabend im Garten, der Himmel flammt rot über der Dämmerung und der Alltag verschwimmt im Zirpen der Grillen. Doch aus dem sanften Rauschen löst sich ein fiepender Sinuston. Er nähert sich dem linken Ohr, lauter werdend in kreisenden Bewegungen – dann verstummt er. Wenig später beginnt das Jucken. Eine Mücke hat zugestochen. Ihr folgen weitere, immer wieder, bis dem Geplagten nichts bleibt, als hinter den Mückennetzen des Gartenhauses Schutz zu suchen. Der Partner wurde derweil nahezu verschont. Warum bloß?
Der Volksmund weiß: Es liegt am „süßen Blut“. Doch gibt es sie wirklich, die Menschen, die Mücken mit ihrem individuellen Geruch besonders anziehen?
Ja, es stimmt – zumindest teilweise. Das ergab eine neue Studie, die im Fachmagazin „iScience“ von Cell Press veröffentlicht wurde. Die Forscher untersuchten, inwiefern verschiedene Mückenarten von unterschiedlichen Menschen angezogen werden. Dabei fanden sie heraus, dass die Stechinsekten jeder Art ihren eigenen „Typ“ Mensch haben, auf den sie stehen.
Die Forscher untersuchten das Stechverhalten von drei Mückenarten: Aedes aegypti (Gelbfiebermücke), Aedes albopictus (Asiatische Tigermücke) und Culex quinquefasciatus (Südliche Hausmücke). Gemeinsam verbreiten sie Gelbfieber, Dengue-Fieber, das Zika-Virus, West-Nil-Fieber und andere Tropenkrankheiten.
Für ihr Experiment rekrutierten die Wissenschaftler 119 Personen, die sich der Blutlust der Insekten freiwillig aussetzten. Dabei stellten die Studienleiter fest, dass nicht jeder Mensch von jeder Art in gleichem Maße gestochen wurde.
Jede Mückenart hatte ihre eigenen, ganz bestimmten Vorlieben und Abneigungen. Nach Angaben der US-Forscher war die Untersuchung die erste, die die Vorlieben verschiedener Mückenarten direkt verglich.
Jede Mückenart hat ihre Vorlieben beim Körpergeruch
Die Gelbfiebermücke bevorzugte Menschen ohne zusätzlich aufgetragenen Duft, deren Haut bestimmte flüchtige Verbindungen nicht aufwies. Diese tagaktiven Blutsauger zeigten eine leichte Vorliebe für Männer gegenüber Frauen.
Die Asiatische Tigermücke wurde von erhöhten Ketonwerten und pflanzenähnlichen flüchtigen Verbindungen angezogen, die von der Haut auf natürliche Weise abgesondert werden. Wie die Gelbfiebermücke sticht sie tagsüber.
Die Südliche Hausmücke ging nach Einbruch der Dunkelheit auf Nahrungssuche und orientierte sich am Hautmikrobiom – dem Ökosystem aus Bakterien und Pilzen, das natürlicherweise auf der menschlichen Haut lebt. Manche Bakterienfamilien waren ein grünes Licht zum Stechen, andere vertrieben die Mücken.
„Zu Beginn der Studie hatten wir nicht erwartet, dass die Mückenarten jeweils verschiedene Personen bevorzugen“, sagte Kaylee Marrero, ein Doktorand der Florida International University in Miami, der die Studie leitete. „Ich war so überrascht, dass jede Spezies eine bestimmte Signatur im Mikrobiom hatte, auf die sie als Signal reagierte.“
Der menschliche Eigengeruch entsteht aus einem hochkomplexen Gemisch von mehr als 1000 organischen Komponenten, die eine individuelle Signatur bilden. Statt von Menschen allgemein angezogen zu werden, wurden die Mückenarten offenbar zu bestimmten Untergruppen hingezogen. Für die Forscher ist das ein Hinweis, dass jede der drei Spezies im Laufe der Evolution ihren eigenen Wahrnehmungsapparat entwickelt hat, der auf bestimmte Aspekte des menschlichen Geruchs stärker reagiert. Um besser zu verstehen, wie dieser entsteht, nahmen die Wissenschaftler Proben der Geruchsstoffe und des Mikrobioms von der Haut der Studienteilnehmer.
„Unsere Ergebnisse verbinden sich so gut mit den Unterschieden in Hautbakterien und Körpergeruch“, sagte der Forscher DeGennaro. „Für mich ist es nun klar, dass das Mikrobiom unserer Haut unsere menschliche Geruchssignatur bestimmt. Jede Spezies hat ihren eigenen Weg gefunden, diese Signatur zu decodieren.“
Die Forscher wollen jetzt entschlüsseln, welche chemischen Hinweise genau die verschiedenen Mückenarten anregen. Das könnte Teil regionaler Gesundheitsstrategien werden, besonders in Ländern, in denen die Insekten Krankheiten wie Malaria übertragen. So könnten Mückensprays entwickelt werden, die die Mücken einer Region gezielt abschrecken.
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