In den vergangenen Tagen erkrankten in der Stadt Basel ungewöhnlich viele Menschen an Legionellen. Mehr als zwei Dutzend von ihnen mussten im Krankenhaus versorgt werden, mehrere Personen davon auf der Intensivstation. Ein Mann verstarb an der sogenannten Legionärskrankheit.
Doch was sind Legionellen überhaupt? Droht ein Ausbruch auch hier und wie steckt man sich an? Wer ist besonders gefährdet? Einige Fragen und Antworten im Überblick.
Was ist beim Legionellen-Ausbruch in Basel passiert?
Nach einem besonders großen Legionellen-Ausbruch in der Schweizer Stadt Basel ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung. Die Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt nahm die Ermittlungen laut Mitteilung auf. „Aufgrund des laufenden Strafverfahrens können derzeit keine weiteren Auskünfte erteilt werden.“ In den vergangenen zwei Wochen sind nach früheren Angaben der Schweizer Behörden 26 Menschen an der Legionärskrankheit erkrankt, eine Person davon ist gestorben. Wie das Gesundheitsdepartement weiter mitgeteilt hatte, ist der wahrscheinlichste Ausbruchsherd mittlerweile stillgelegt: ein mit Wasser betriebener Kühlturm auf dem Dach eines Gebäudes. Das Wasser sei mit Legionellen kontaminiert gewesen. Diese Bakterien können bei Menschen grippeartige Beschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen auslösen. Ideale Wachstumsbedingungen finden Legionellen bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad.
Anlagen wie die beanstandete stoßen Wasserdampf aus, der je nach Wetterlage und Windverhältnissen in einem größeren Umkreis verbreitet wird. „Wenn Anwohnende die Wassertröpfchen einatmen, können sie sich anstecken“, so das Departement. Klimaanlagen und Wärmepumpen, die in Privathaushalten gebräuchlich seien, seien nicht betroffen.
Was ist beim Legionellen-Befall in Berlin passiert?
Zwei Menschen aus einem Seniorenwohnhaus in Berlin-Tegel verstarben im Juli 2026 infolge eines Legionellen-Befalls. Der Befall war aufgefallen, weil fünf Mieter ins Krankenhaus kamen. Bislang ist nicht klar, ob die Krankenhausaufenthalte und Todesursachen im direkten Zusammenhang mit den Legionellen stehen, wie die landeseigene Wohnungsgesellschaft Berlinovo mitteilt.
Was genau sind Legionellen?
Legionellen sind weitverbreitete Bakterien, die ein natürlicher Bestandteil von Gewässern sind, wie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) informiert. Für den Menschen sei vor allem relevant, dass sie auch in technischen Wassersystemen wie Trinkwasserinstallationen und Kläranlagen vorkommen.
Laut Robert Koch-Institut (RKI) kommen sie natürlicherweise im Wasser vor und können sich sowohl in frei lebenden Amöben als auch in menschlichen Immunzellen vermehren. Von den mehr als 60 bekannten Legionellen-Arten gelten grundsätzlich alle als potenziell krankheitserregend für den Menschen. Die meisten Erkrankungen in Europa werden jedoch durch Legionella pneumophila verursacht. Bestimmte Untergruppen dieser Serogruppe gelten als besonders krankmachend.
Wie vermehren sich Legionellen im Trinkwasser?
Nach Angaben des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) tritt eine Infektion mit Legionellen, eine sogenannte Legionellose, vor allem im Frühling und Sommer auf, da Legionellen sich am besten in wärmerem Wasser vermehren. Ideale Wachstumsbedingungen gibt es für sie bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad. Oberhalb von 55 Grad wird ihr Wachstum gehemmt, ab 60 Grad sterben die Keime ab. Unter 20 Grad vermehren sie sich kaum noch.
Begünstigt werde die Vermehrung außerdem, wenn das Wasser länger stehe, zum Beispiel nach dem Urlaub, in selten genutzten Trinkwasserinstallationen oder in Whirlpools.
Wie werden Legionellen übertragen?
Von Mensch zu Mensch werden Legionellen in der Regel nicht übertragen. Dem RKI ist nur ein Fall bekannt, in dem eine direkte Übertragung zwischen Menschen stattfand.
Die Erreger werden häufig durch zerstäubtes oder vernebeltes Wasser (Aerosole) übertragen, etwa beim Duschen, in Whirlpools, durch Luftbefeuchter oder über Wasserhähne.
Beim Trinken von erregerhaltigem Wasser besteht laut BIÖG in der Regel keine Ansteckungsgefahr, da die Legionellen im Magen von der Magensäure abgetötet werden. In seltenen Fällen würden Menschen sich anstecken, wenn kontaminiertes Wasser beim Verschlucken versehentlich in die Luftröhre gelange.
Was sind Symptome einer Legionellen-Infektion?
Erkrankungen durch Legionellen äußern sich entweder als sogenannte Legionärskrankheit oder als Pontiac-Fieber. Die Legionärskrankheit ist laut RKI eine schwere Form der Lungenentzündung, die sich klinisch nicht von anderen Formen der Lungenentzündung unterscheidet. Außerdem könnten Verwirrtheit, Bauchschmerzen und Durchfall vorkommen.
Das Pontiac-Fieber ist ein akuter Infekt mit Fieber. Meistens treten laut RKI grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, Schmerzen im Brustkorb und trockener Husten auf.
Wie häufig erkranken Menschen an Legionellen?
In Deutschland erkrankten zuletzt mehr als 2000 Menschen an der Legionärskrankheit, wobei größere Ausbrüche selten sind. Deutschlandweit wurden dem RKI dieses Jahr bislang 977 Fälle gemeldet. In den drei Jahren zuvor waren es das gesamte Jahr über jeweils um die 2200 Fälle. 2024 verstarben laut Robert Koch-Institut 104 Patienten, 2023 verstarben 115 Menschen.
In Berlin wurden dem Lageso dieses Jahr bislang 54 Fälle übermittelt. Das seien weniger Fälle als der Mittelwert des entsprechenden Zeitraums der vergangenen fünf Jahre (61).
Wie häufig sind Sterbefälle?
Sterbefälle gibt es jedes Jahr. In Berlin lag die Zahl der Todesfälle in den vergangenen Jahren im einstelligen Bereich, wie eine Sprecherin des Lageso mitteilte. 2025 waren es zwei, 2024 drei und 2023 zwei.
In Deutschland starben den Angaben einer RKI-Sprecherin zufolge dieses Jahr 45 Menschen an einer Legionellose. In den vergangenen drei Jahren gab es demnach jährlich etwas mehr als 100 Todesfälle. 2025 waren es zum Beispiel 118. Seit 2015 ist die Zahl der Todesfälle, mit Ausnahme eines Ausreißers im Pandemie-Jahr 2020 und eines leichten Rückgangs 2024, kontinuierlich angestiegen. Betroffen seien vor allem Menschen ab 60 Jahren.
Im Schnitt sterben an der Legionärskrankheit zwischen 5 und 9 Prozent der Infizierten, wie das RKI informiert. Bei Menschen, die sich im Krankenhaus infiziert haben, ist das Risiko höher, dort sterben etwa 13 Prozent. Todesfälle im Zusammenhang mit dem Pontiac-Fieber seien nicht bekannt.
Was kann man gegen Legionellen tun?
Wasserleitungen sollten regelmäßig genutzt, Kaltwasserleitungen am besten wärmeisoliert werden, wie das BIÖG rät. In einem Haus mit zentraler Wassererwärmung und zentralem Warmwasserspeicher sollte die Reglertemperatur am Trinkwassererwärmer auf mindestens 60 Grad eingestellt sein. Die Wassertemperaturen im Leitungssystem sollten an keiner Stelle unter 55 Grad liegen, so das Institut.
In Mietshäusern und öffentlichen Gebäuden werden laut BIÖG regelmäßig Wasserproben untersucht. Werde eine bestimmte Konzentration von Legionellen nachgewiesen, müsse das Gesundheitsamt informiert werden.
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