Der morgendliche Kaffee riecht nach Kaffee, die Sonnencreme nach Sonnencreme. Dass beides vor zehn Jahren vielleicht intensiver duftete, fällt vielen gar nicht auf. Dabei könnte gerade dieser schleichende Verlust ein frühes Warnsignal sein. Eine neue Studie zeigt, dass ein schlechter Geruchssinn weit mehr verraten kann als Probleme mit der Nase: Menschen mit schwächerem Geruchssinn bauen körperlich offenbar schneller ab.

Ein US-amerikanisches Forscherteam begleitete 5474 ältere Erwachsene über etwa sieben Jahre. Die Teilnehmer waren zu Studienbeginn im Durchschnitt 75 Jahre alt. Zu Beginn testeten die Forscher den Geruchssinn der Teilnehmer mit einem standardisierten Dufttest.

Danach prüften sie regelmäßig, wie gut die Teilnehmer ihr Gleichgewicht hielten, wie schnell sie gingen, wie kräftig ihr Griff war und wie leicht sie von einem Stuhl aufstanden. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal JAMA Otolaryngology–Head & Neck Surgery.

Wer schlechter roch, schnitt bei den körperlichen Tests schlechter ab. Besonders deutlich zeigte sich das bei der Gehgeschwindigkeit, dem Gleichgewicht, der Kraft in den Beinen und der Griffkraft – Fähigkeiten, die aussagekräftig dafür sind, wie selbstständig und mobil Menschen im Alter bleiben. Gleichzeitig verloren Betroffene über die folgenden Jahre schneller an körperlicher Leistungsfähigkeit als Menschen mit gutem Geruchssinn.

Die Ergebnisse zeigten eine klare Abstufung. Teilnehmer mit mäßig eingeschränktem Geruchssinn schnitten körperlich besser ab als Menschen mit starkem Geruchsverlust.

Warum die Nase etwas über Muskeln, Gleichgewicht und Gehgeschwindigkeit verrät, wissen die Forscher bisher nicht abschließend. Sie vermuten, dass ein nachlassender Geruchssinn früh darauf hinweist, wie schnell der Körper biologisch altert.

Dafür spricht auch, dass die Riechfähigkeit oft schon nachlässt, bevor Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson sichtbar werden. Darauf deuten bereits frühere Studien hin. Zudem steht ein schwacher Geruchssinn offenbar mit Entzündungen, neurologischen Veränderungen und verschiedenen chronischen Krankheiten in Zusammenhang.

Hinzu kommt laut dem Forschungsteam allerdings auch: Wer schlechter riecht, verliert häufig Appetit und Freude am Essen. Das kann auf Dauer zu Mangelernährung führen. Auch soziale Aktivitäten nehmen oft ab, wenn Gerüche und Geschmack verschwinden. Beides kann körperlichen Abbau im Alter begünstigen. Tatsächlich beginnt der Geruchssinn bei vielen Menschen bereits ab etwa 40 Jahren langsam nachzulassen, weil sich die Riechzellen mit zunehmendem Alter immer schlechter regenerieren.

Die Forscher betonen, dass die Studie noch keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beweist. Ein schlechter Geruchssinn macht Menschen nicht automatisch gebrechlich. Möglich ist auch, dass beides Ausdruck desselben biologischen Alterungsprozesses ist.

Trotzdem halten die Autoren die Ergebnisse für klinisch relevant. Ein einfacher Geruchstest könnte künftig helfen, Menschen mit erhöhtem Risiko für körperlichen Abbau früh zu erkennen – noch bevor stärkere Einschränkungen sichtbar werden.

Lange galt der Geruchssinn vor allem als Sinn für Genuss. Die neue Studie legt nun nahe, dass er womöglich auch ein Fenster in den Alterungsprozess des Körpers ist. Vielleicht kündigt sich körperlicher Abbau früher an als bislang gedacht – über etwas so Alltägliches wie den Duft von Kaffee oder frisch gebackenem Brot.

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