Beruht die Anziehung auf Gegenseitigkeit oder nicht? In einer frühen Phase des Datings ist diese Frage entscheidend – aber nicht immer leicht zu beantworten.
Sexuelle Erregung kann einer neuen Studie zufolge das treffsichere Einschätzungsvermögen in dieser Hinsicht trüben. Wer erregt sei, interpretiere uneindeutige Signale optimistischer, schreiben Forscher im Fachjournal „Personality and Social Psychology Bulletin“ nach einem Experiment.
Dabei wurden die insgesamt rund 550 Teilnehmer – vor allem Studenten – in zwei Gruppen aufgeteilt: Einer Gruppe wurde ein Video mit sexuellen Inhalten gezeigt, der anderen ein Video ohne sexuellen Bezug. Danach chatteten die Probanden jeweils mit einem anderen Teilnehmer oder einer Teilnehmerin – so dachten sie zumindest. In Wirklichkeit waren die Chatpartner Hilfspersonen des Forschungsteams, die angewiesen waren, gemischte Signale zu übermitteln – also im Unklaren zu lassen, ob sie Interesse haben oder nicht.
In einigen Szenarien wurden kontinuierlich gemischte Signale gesendet, etwa durch die Hervorhebung unterschiedlicher Interessen und Vorlieben im Chat. Bei anderen kam erst gegen Ende oder nachträglich ein Signal des eingeschränkten Interesses. In einem Szenario wurde eindeutige Ablehnung kommuniziert, also etwa eine klare Aussage wie „Du wirkst nett, aber ich suche nach etwas anderem“.
Danach wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie ihren Chatpartner oder ihre Chatpartnerin begehren und ob sie den Eindruck hatten, ihr Gegenüber sei interessiert an ihnen selbst.
Dabei zeigte sich: Diejenigen, die zuvor ein sexuelles Video zu sehen bekommen hatten, schätzten das sexuelle und teils auch romantische Interesse ihres Gegenübers an sich selbst deutlich höher ein – und waren auch selbst häufiger an ihrem Chatpartner interessiert. Zuvor hatte das Team mittels Abfrage geprüft, dass die Videos mit sexuellen Inhalten den gewünschten Erregungseffekt ausgelöst hatten.
Optimismus mit Schattenseiten
„Sexuelle Erregung führte dazu, dass die Teilnehmer mehrdeutige Interaktionen deutlich häufiger optimistisch interpretierten“, erklärte die Hauptautorin und Psychologin Gurit Birnbaum von der Reichman-Universität in Israel. „Sie sahen Interesse, wo eigentlich nur Unsicherheit herrschte. Ein Grund dafür scheint zu sein, dass die Erregung die Attraktivität des Partners steigerte, was die Tendenz, das zu sehen, was man sehen wollte, noch weiter verstärkte.“
In frühen Phasen eines Kennenlernens könne dieser Effekt Menschen helfen, etwas zu riskieren. Allerdings hat der psychologische Effekt auch eine problematische Seite: „Das Verlangen kann die Sensibilität für die tatsächlichen Wünsche des Gegenübers überschatten“, betont Birnbaum.
„In solchen Momenten nehmen wir die Interaktion möglicherweise nicht so wahr, wie sie ist, sondern so, wie wir sie uns erhoffen – und übersehen dabei die Anzeichen dafür, dass die Tür eigentlich nicht offen ist.“
Im Experiment zeigte sich immerhin, dass die Teilnehmer es richtig interpretierten, wenn von ihrem Gegenüber statt uneindeutiger Signale klare Ablehnung kam. In diesen Fällen stuften die Probanden dies in der Regel auch korrekt als Ablehnung ein.
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