Schaben in der Küche, Bettwanzen unter der Matratze, Silberfischchen im Bad: Wer will schon mit solchen Mitbewohnern leben? Schädlingsbekämpfer Christian Galenza weiß, was gegen das Ungeziefer im Haus hilft.
WELT: Herr Galenza, gibt es einen Einsatz, an den Sie mit Schaudern zurückdenken?
Christian Galenza: Es war in einem Restaurant, wo ich Küchenschaben bekämpfen sollte. Die Tiere mögen es warm und feucht. Sie verstecken sich gern in elektrischen Geräten wie Kaffeemaschinen oder Geschirrspülern. In diesem Fall habe ich die Rückwand eines Gefrierschranks entfernt – und alles war schwarz vor Schaben. Das war kein schöner Anblick. Ich bin einiges gewohnt. Aber da musste auch ich kurz schlucken.
Christian Galenza ist seit zehn Jahren selbstständigWELT: Wie bemerkt man Küchenschaben, die ja auch Kakerlaken genannt werden, in der Küche?
Galenza: Ganz einfach: Sie sehen die Tiere, wenn sie über den Boden flitzen oder am Schrank entlang krabbeln. Eine einzige Schabe kann schon ein Zeichen für einen größeren Befall sein. Tagsüber verstecken sie sich, aber sobald es dämmert, werden sie aktiv. Auch an den Ausscheidungen der Tiere ist ein Befall zu erkennen. Ich rate dringend davon ab, selbst zu versuchen, dagegen vorzugehen. Dadurch verschleppt man das Problem meist nur. Kakerlaken gehören zu den besonders hartnäckigen Schädlingen, die von einem Profi bekämpft werden sollten.
WELT: Wie gehen Sie vor?
Galenza: Zunächst suche ich die Verstecke der Tiere. Je nach Stärke des Befalls arbeite ich zunächst punktuell mit einem Gel. Ziel ist es ja, so wenig Insektizid wie möglich einzusetzen. Haben sich die Kakerlaken schon stark verbreitet, verwende ich ein Spritzmittel in Kombination mit Vernebelung. Ich trage dabei Schutzanzug und Atemmaske. Der Raum darf danach unter Umständen mehrere Stunden nicht betreten werden. In der Regel muss die Prozedur zwei- bis dreimal wiederholt werden, bis wirklich keine Kakerlake mehr übrig ist.
WELT: Wo kommen Kakerlaken vor allem vor?
Galenza: In privaten Küchen sind sie eher selten, gelegentlich werden sie mit Lebensmitteln eingeschleppt. In der Gastronomie aber sind sie dort zu finden, wo nicht genug auf Hygiene geachtet wird – wo Essensreste herumstehen und zu wenig geputzt wird. Gegen einen Befall wird oft erst etwas unternommen, wenn das Gesundheitsamt davon Wind bekommt und nach einer Kontrolle auf entsprechende Maßnahmen besteht.
WELT: Wie gefährlich sind Kakerlaken?
Galenza: Kakerlaken können Lebensmittel verunreinigen und dabei Bakterien übertragen, die gefährliche Infektionen auslösen können. Man sollte ein Tier auf keinen Fall zertreten. Denn die Weibchen tragen ihre Eier in einer Kapsel, der sogenannten Oothek, bis kurz vor dem Schlüpfen am Hinterleib, und es könnte passieren, dass die Eier mit dem Schuh in der Wohnung verteilt werden.
Zur Ausrüstung gehört eine AtemmaskeWELT: Auf welche Schädlinge in der Küche sollte man noch achten? Was ist mit Lebensmittelmotten?
Galenza: Sie werden meist mit den Lebensmitteln in die Wohnung geschleppt, die die Motten besonders gern mögen: Mehl, Müsli, Nudeln und Nüsse, aber auch Tee, Gewürze und Tierfutter. Die Weibchen legen ihre Eier auf der Außenseite der Verpackungen ab. Sind die Lebensmittelmotten erst einmal im Küchenschrank, bauen sie ihre Nester in geöffneten Lebensmittelverpackungen. Man erkennt den Befall an den feinen Gespinsten der Raupen. Dann hilft es nur, alles zu entsorgen und den Küchenschrank auszusaugen. Ich rate, die Vorräte regelmäßig zu kontrollieren. Noch sicherer ist es, Nährmittel grundsätzlich in luftdicht verschließbare Dosen oder Gläser umzufüllen. Das gilt unbedingt auch für Trockenfutter für Hund oder Katze.
WELT: Was raten Sie bei Kleidermotten?
Galenza: Oft bemerkt man Kleidermotten ja erst, wenn der Wollpullover Löcher hat. Mit sogenannten Klebefallen lässt sich auch vorsorglich feststellen, ob ein Kleiderschrank befallen ist. Alle Kleidungsstücke sollten kontrolliert, möglichst gewaschen oder für zwei bis drei Tage in den Gefrierschrank gelegt werden. Das tötet Eier und Larven ab. Der Schrank sollte sorgfältig ausgesaugt und der Staubsaugerbeutel anschließend entsorgt werden. Spezielles Mottenpapier, Lavendelbeutel oder Zedernholz können die Tiere abschrecken. Bei einem hartnäckigen Befall ist professionelle Hilfe ratsam.
WELT: Was halten Sie von dem Tipp, Strickwaren zum Schutz vor Motten in Baumwollhüllen wie etwa Kopfkissenbezüge zu packen?
Galenza: Kleidermotten mögen Wolle, das ist richtig. Aber sie befallen auch Seide, Pelze und Filz. Die Weibchen legen darauf ihre Eier ab. Die Larven fressen dann die Fasern. Aber eigentlich haben sie es auf das darin enthaltene Protein Keratin abgesehen. Keratin steckt auch in menschlichen Haaren und Hautschuppen. Sie bleiben nach dem Tragen oft unbemerkt auf der Kleidung zurück – und locken so die Motten an.
WELT: Also besser keinen getragenen Pulli zurück in den Schrank legen?
Galenza: Wer seinen Winterpullover aus Wolle den Sommer über in den Schrank legt, sollte ihn vorher waschen und dann in eine luftdicht verschlossene Plastiktüte packen. Da kommt dann keine Kleidermotte ran. Baumwolle ist für die Tiere keine Alternative. Es ist ja eine pflanzliche Faser, die kein Keratin enthält.
WELT: Weniger bekannt ist der Teppichkäfer. Was hat es damit auf sich?
Galenza: Wie bei den Kleidermotten ernähren sich die Larven der Teppichkäfer von Keratin – gern auf Teppichen, daher der Name. Anders als bei den Kleidermotten befinden sich in der Nähe der Fraßlöcher keine Gespinste. So kann unterschieden werden, ob das Loch von einer Motte oder einem Teppichkäfer stammt.
WELT: Und wie wird man den Teppichkäfer wieder los?
Galenza: Auch für Teppichkäfer gibt es Klebefallen, die mit Pheromonen die männlichen Tiere anlocken. So lässt sich die Stärke des Befalls abschätzen. Wichtig ist es, den Wohnraum gründlich zu reinigen. Den befallenen Teppich, wenn möglich, draußen auf einer Stange gründlich ausklopfen und danach mit Teppichreiniger behandeln. Befallene Kleidungsstücke, wie bei Mottenbefall, waschen oder kurzzeitig einfrieren.
WELT: Woher kommen diese Käfer überhaupt?
Galenza: Teppichkäfer werden vom Licht angelockt und fliegen durch Fenster und Türen in die Wohnung. Ein Fliegengitter ist daher ein guter Schutz vor einem Befall. Das gilt im Übrigen auch für Kleidermotten und für den Speckkäfer, der sich ebenfalls von Keratin ernährt. Speckkäfer können zu einem gesundheitlichen Problem werden. Ihr Körper ist mit kleinen spitzen Härchen bedeckt, die Allergien auslösen können.
WELT: Wann sollte man bei Schädlingen im Haus auf jeden Fall einen Profi hinzuziehen?
Galenza: Wer sich unsicher ist und es sich nicht zutraut, mit Insektiziden zu hantieren, sollte sich zunächst an einen Profi wenden. In unserer Branche beraten wir ja auch. Hinzu kommt, dass die Insektizide, die frei verkauft werden, in der Regel nicht so wirkungsvoll sind wie die Produkte, die wir verwenden. Es gibt eben Ungeziefer im Haus, das unbedingt den Einsatz eines Profis erfordert.
WELT: Zum Beispiel?
Galenza: Neben den Kakerlaken sind das vor allem Bettwanzen. Und ihre Bekämpfung ist ebenso aufwendig – nur eben nicht in der Küche, sondern im Schlafzimmer. Zunächst muss ich die Verstecke aufspüren, um den Raum gezielt mit einem Insektizid behandeln zu können. Möglich wäre auch eine Wärmebehandlung, bei der mindestens 55 bis 61 Grad erreicht werden müssen, um Larven und Eier abzutöten. Aber für verleimte Möbel kann das eine zu hohe Temperatur sein, und ich kann nicht garantieren, dass es keine Schäden gibt. Daher bevorzuge ich die Insektizide. Meist sind mehrere Einsätze notwendig. Ich kann aus meiner Erfahrung sagen: Bettwanzen sind das Schlimmste, was man sich einfangen kann.
WELT: Ist die Sorge begründet, Bettwanzen aus einem Hotel einzuschleppen?
Galenza: Ich wurde oft von Monteuren gerufen, die sich längere Zeit in einer vielleicht nicht so gepflegten Unterkunft aufgehalten und die Bettwanzen in ihrem Koffer mit nach Hause gebracht haben. Auch Geschäftsreisende und Urlauber können die Tiere im Gepäck haben. Ganz unbegründet ist die Sorge also nicht. Vor ein paar Jahren noch hatte ich ein bis zwei Einsätze gegen Bettwanzen im Jahr, inzwischen sind es ein bis zwei pro Monat.
WELT: Woran erkennt man einen Befall?
Galenza: Kot und Häutungshüllen der Larven auf der Matratze oder dem Bettgestell. Den Menschen stechen sie typischerweise in einer Reihe. Man spricht daher manchmal auch von einer Wanzenstraße. Wenn man sich nicht sicher ist, kann man ein Hotelbett genau untersuchen. Seinen Koffer sollte man möglichst nicht so nah am Bett aufstellen, damit kein Tier hineinkrabbeln kann. Nach der Rückkehr empfiehlt es sich, den Inhalt des Koffers über Badewanne oder Duschbecken auszuschütteln, um zu sehen, ob Bettwanzen herausfallen. Sie sind zwischen vier und neun Millimeter groß. Für zu Hause gibt es auch Bettwanzen-Fallen, um einen Befall zu erkennen. Aber bitte nicht selbst Insektizide verspritzen. Ich hatte den Fall einer älteren Dame, die aus Angst und Ekel vor den Tieren entschieden zu viel davon und viel zu oft verwendet hat. Am Ende hatte sie sich regelrecht vergiftet und musste ärztlich versorgt werden.
WELT: Welche ungebetenen Gäste lauern noch in der Wohnung?
Galenza: Auf Silberfischchen sollte man achten. Sie sind ein Zeichen für zu viel Feuchtigkeit. Häufig tauchen sie nach einem Wasserschaden auf. Oder in Neubauten, die noch nicht richtig durchgetrocknet sind. Oder in Badezimmern ohne Fenster, die man nicht ordentlich belüften kann. Silberfischchen sind nicht gefährlich für den Menschen. Wenn es aber zu viele werden, sind auch sie ein Fall für den Profi. Sämtliche Mittel, die an Privatpersonen frei verkauft werden, wirken nicht so richtig gut. Überhaupt sind in den vergangenen Jahren einige gut funktionierende Wirkstoffe von der EU verboten und vom Markt genommen worden. Oder die Zulassung wurde nicht verlängert. Das sind politische Entscheidungen, die uns die Schädlingsbekämpfung erschweren.
WELT: Können Sie ein Beispiel nennen?
Galenza: Gegen Wespennester habe ich lange Zeit ein Mittel eingesetzt, ein sogenanntes Stäubepräparat, das die Insekten innerhalb von nur zehn Minuten abgetötet hat. Das ist nicht mehr verfügbar. Ich verwende nun ein Mittel, das nicht so gut wirkt, und muss häufiger ein zweites Mal zu einem Kunden fahren.
WELT: Was sind Ihrer Erfahrung nach die drei wichtigsten Maßnahmen, um sich vor Schädlingen in Haus und Wohnung zu schützen?
Galenza: Alle Räume sauber halten, Nahrungsmittel gut verpacken – und stets ein wachsames Auge haben.
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