Ein 20 Jahre langes Experiment mit Klonmäusen zeigt: Selbst modernste Klon-Techniken stoßen an biologische Grenzen. Bei der Studie, die im Januar 2005 begann, stieg die Geburtenrate zunächst von Generation zu Generation an. „Da sich die Erfolgsrate mit jeder Generation leicht verbesserte, schlussfolgerten wir zunächst, dass das serielle Klonen unbegrenzt fortgesetzt werden könnte“, schreibt das Team im Fachjournal „Nature Communications“. Doch es kam anders.

Bei jeder Klonrunde sammelten sich weitere Erbgutschäden in den Mäusen an – zunächst kleine Mutationen, später auch größere Änderungen an der Struktur der Erbgutträger bis zum Verlust eines X-Chromosoms. Die geklonten Mäuse schienen nach Angaben des japanischen Teams zwar bis zur 57. Generation äußerlich normal zu sein, und ihre durchschnittliche Lebenszeit lag mit rund zwei Jahren im Normalbereich. Die sich anhäufenden Erbgutschäden hatten jedoch Auswirkungen auf den Erfolg des Klonens.

„Die Geburtenrate des seriellen Klonens begann ab der 27. Generation zu sinken, und die 58. Generation war die letzte“, schreibt das Team um das Ehepaar Sayaka und Teruhiko Wakayama von der University of Yamanashi. „Alle in dieser Generation durch Klonen erzeugten Mäuse starben bereits am Tag nach ihrer Geburt.“ Die Geburtenrate war ohnehin sehr niedrig gewesen.

Frühere, kleinere Studien zeigten bereits, dass das serielle Klonen bei Säugetieren wie Ziegen, Rindern und Schweinen nach sehr wenigen Generationen Auswirkungen hat oder an seine Grenzen stößt. Durch eine Verbesserung der Klontechnik konnte das japanische Team jedoch viele Klontier-Generationen erzeugen. Insgesamt hat es ausgehend von einer weiblichen Maus rund 1.200 Klontiere erzeugt.

Beim Klonen von Säugetieren entnehmen Forscher den Zellkern einer Körperzelle und transferieren ihn in eine zuvor entkernte Eizelle. Diese Eizelle wird einem weiblichen Tier eingesetzt. Das sich entwickelnde Tier hat nahezu dasselbe Erbgut wie dasjenige, von dem die Körperzelle stammt.

Das auf diese Weise entstandene Klonschaf Dolly erregte als erstes geklontes Säugetier 1997 weltweit Aufsehen. Später folgten etwa die von Teruhiko Wakayama geklonte Maus Cumulina, die in München entstandene Klonkuh Uschi sowie Hunde und weitere Tiere.

Beim Sex läuft das anders: Vor der Entstehung von Ei und Spermien wird das gewöhnliche Erbgut erst halbiert (Meiose). Später bei der Befruchtung mischen sich die beiden Erbguthälften von Ei und Spermium zu einem neuen, kompletten Erbgutsatz zusammen. Dabei gibt es etliche Reparaturmechanismen, die beim Klonen – das dem Kopieren ähnelt – entfallen.

Wurden Klonmäuse der 55. Generation mit Männchen verpaart und vermehrten sich diese Nachkommen wiederum sexuell, dann stieg die Geburtenrate laut Studie wieder an. Das zeige, dass sogar Erbgutfehler, die sich durch das Klonen angesammelt hatten, durch sexuelle Fortpflanzung teilweise behoben werden können. Die Studie bekräftigte, dass „die sexuelle Fortpflanzung für das langfristige Überleben von Säugetierarten unverzichtbar ist“.

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