Ein Herzinfarkt kann innerhalb weniger Minuten lebensbedrohlich werden. Doch selbst wenn Betroffene überleben, bleibt das Herz häufig geschädigt. Ein neuer Therapieansatz könnte helfen, Folgeschäden mit nur einer einzigen Injektion zu begrenzen.

Eine kürzlich im „Fachjournal Science“ veröffentlichte Studie eines internationalen Forschungsteams von der Columbia University, der University of Oxford und der Texas A&M University beschreibt einen neuen Ansatz, der das Herz nach einem Infarkt schützen könnte. In Experimenten mit Mäusen und Schweinen verbesserte eine einmalige Injektion in die Muskulatur die Herzfunktion und verringerte Schäden am Herzmuskel.

Im Zentrum der Behandlung steht eine Technologie aus der RNA-Medizin. Zum Einsatz kam sogenannte selbstamplifizierende RNA, kurz saRNA. Diese genetischen Bauanleitungen können sich in den Zellen vorübergehend selbst vervielfältigen und so über längere Zeit aktiv bleiben. Gelangt die RNA in Körperzellen, liefert sie die Informationen zur Herstellung eines Hormons mit schützender Wirkung auf das Herz: das atriale natriuretische Peptid (ANP).

Normalerweise produziert der Körper dieses Hormon selbst. Es trägt unter anderem dazu bei, den Blutdruck zu senken und den Stoffwechsel zu fördern. Nach einem Herzinfarkt wird ANP vermehrt im Körper freigesetzt. Doch die körpereigene Produktion reicht meist nicht aus, um die Heilung spürbar zu unterstützen.

„Es ist im Grunde eine Stärkung des körpereigenen Abwehrsystems“, wird Ke Huang, Mitautor der Studie, in einer Pressemitteilung zitiert. „Der Körper nutzt ANP bereits als Schutzmechanismus. Wir helfen ihm lediglich dabei, genügend davon zu produzieren, um in einem kritischen Heilungsfenster wirksam zu sein“, s0 Ke Huang.

Die RNA-Injektion soll diese natürliche Reaktion verstärken. Die Muskelzellen beginnen dank ihr, eine Vorstufe des Hormons zu produzieren: das sogenannte Pro-ANP. Diese gelangt über den Blutkreislauf zum Herzen, wo es in die aktive Form umgewandelt wird. „Es geht darum, dem Herzen zu helfen, seine eigenen Heilungsmechanismen zu aktivieren“, so Ke Huang.

Der Vorteil der Methode: Die RNA kann sich in den Zellen für kurze Zeit selbst vervielfältigen. Dadurch bleibt die Produktion des Hormons auch ohne große Wirkstoffmengen lange aktiv. In den Tierexperimenten hielt die erhöhte Hormonproduktion durch eine Injektion für mindestens vier Wochen an.

Die zusätzliche Unterstützung des Herzens zeigte deutliche Effekte. In den Tiermodellen verbesserte sich die Pumpfunktion der linken Herzkammer, die geschädigte Region blieb kleiner und es bildete sich weniger Narbengewebe. Auch in Modellen mit älteren und diabetischen Mäusen blieb die schützende Wirkung bestehen.

„Unser Ziel ist es, das Herz genau dann zu schützen, wenn es am verletzlichsten ist“, sagt Huang. „Wenn wir diese frühe Belastung lindern und die Regeneration unterstützen, können wir möglicherweise den Genesungsverlauf der Patienten positiv beeinflussen.“ Trotz der vielversprechenden Ergebnisse wurde die Methode bisher nur in Tierstudien untersucht. Ob sie auch beim Menschen funktioniert, müssen weitere Studien zeigen.

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