Frauen leiden häufiger und oft länger unter chronischen Schmerzen als Männer. Eine in der Fachzeitschrift „Science Immunology“ veröffentlichte Studie der Michigan State University liefert nun eine mögliche Erklärung: Entscheidend ist nicht ein unterschiedliches Schmerzempfinden, sondern das Immunsystem.

In Versuchen mit Mäusen lösten die Forscher gezielt Entzündungen und kleine Gewebeverletzungen aus und beobachteten in den folgenden Tagen die anschließende Schmerzreaktion.

Dabei zeigte sich: Die Schmerzempfindlichkeit männlicher Tiere nahm schneller ab als die weiblicher. Ähnliches beobachtete das Team in einer Auswertung von 245 Unfallpatienten, deren Schmerzverlauf über mehrere Wochen dokumentiert wurde. Auch hier erholten sich Männer im Durchschnitt schneller.

Im Mittelpunkt steht ein entzündungshemmender Botenstoff: Interleukin-10, kurz IL-10. Er wird von einer bestimmten Untergruppe der Immunzellen, den Monozyten, gebildet und kann Entzündungen sowie Schmerzsignale dämpfen.

Bei männlichen Tieren waren diese Zellen deutlich aktiver als bei weiblichen, was die Forscher auf das Geschlechtshormon Testosteron zurückführen. Für die Untersuchung griff das Team in den Hormonhaushalt ein. Wurden männliche Geschlechtshormone wie Testosteron blockiert, verzögerte sich die Schmerzlinderung. Erhielten weibliche Tiere ein testosteronähnliches Präparat, stieg die Zahl der schmerzdämpfenden Zellen – und die Schmerzen klangen schneller ab.

„Die Studie zeigt, dass die Auflösung von Schmerz kein passiver Prozess ist“, wird Studienleiter Laumet zitiert. „Sie wird aktiv vom Immunsystem gesteuert.“ Perspektivisch könnten die Ergebnisse neue, nicht-opioide Therapien ermöglichen, die chronische Schmerzen verhindern, bevor sie sich verfestigen, so Laumet.

Schmerzdiagnostik beginnt meist mit einer Zahl: Eins bis zehn, irgendwo dazwischen sollen Betroffene ihre Schmerzen einordnen. Wenn Frauen hohe Werte nennen, werden sie oft als empfindlich abgetan.

Die Studie liefert eine andere Erklärung – und zeigt ein grundsätzliches Problem: Forschung ist noch immer am männlichen Körper orientiert. Das verzerrt Diagnostik und Therapie. Wer bessere Medizin will, muss Unterschiede zwischen den Geschlechtern konsequent berücksichtigen.

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