Der medizinische Fortschritt ermöglicht es immer mehr Menschen, besonders alt zu werden. In der Schweiz zum Beispiel ist die Zahl der über 85-Jährigen in den vergangenen fünfzig Jahren deutlich gestiegen. Experten gehen davon aus, dass sich dieser Trend künftig weiter verstärken wird. Schätzungen zufolge wird jedes zweite Kind, das nach 2000 in einem Industrieland geboren wurde, 100 Jahre alt.
In der Altersforschung finden Hundertjährige besondere Beachtung. Studien haben gezeigt, dass sie im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine höhere Resilienz und eine deutlich geringere Anfälligkeit für Erkrankungen wie Krebs, Diabetes, neurodegenerative Störungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.
Doch was ist der Schlüssel zur Langlebigkeit? Ein Forschungsteam der Schweizer Universitäten Lausanne und Genf hat das Blut von Menschen unterschiedlicher Altersklassen untersucht, um die Mechanismen gesunden Alterns besser zu verstehen. Tatsächlich fanden sich im Blut der untersuchten Hundertjährigen bestimmte Proteine, die denen jüngerer Menschen erstaunlich ähnlich sind. Die Ergebnisse der „Swiss100“-Studie wurden kürzlich im Fachmagazin „Aging Cell“ veröffentlicht.
Für die Analyse verglichen die Wissenschaftler drei Gruppen miteinander: 40 Hundertjährige, 60 Menschen im Alter von 80 Jahren, sowie 40 Erwachsene zwischen 30 und 60 Jahren. Mithilfe der 80-Jährigen konnte unterschieden werden, welche Merkmale zum gewöhnlichen Altern gehören und welche Besonderheiten Menschen betreffen, die 100 Jahre alt werden.
Insgesamt analysierten die Forscher 724 Proteine, die an Alterungsprozessen und der Aufrechterhaltung der Gesundheit beteiligt sind, im Blut der Teilnehmer. Bei 37 Proteinen zeigten sich Auffälligkeiten, schreiben die Autoren in der Studie: Die Konzentrationen dieser 37 Proteine bei den Hundertjährigen ähnelten eher denen der jüngsten Vergleichsgruppe als denen der 80-Jährigen. Forscher bezeichneten diese Eiweiße als „jugendassoziierte Proteine“.
„Bei unseren Hundertjährigen ähneln die Profile dieser 37 Proteine eher denen der jüngsten Altersgruppe als denen der Achtzigjährigen. Dies entspricht etwa fünf Prozent der gemessenen Proteine und deutet darauf hin, dass Hundertjährige dem Alterungsprozess nicht vollständig entgehen, sondern dass bestimmte Schlüsselmechanismen deutlich verlangsamt sind“, wird Flavien Delhaes, Erstautor der Studie, in einer Mitteilung zitiert.
Die deutlichsten Unterschiede zeigten sich bei fünf Proteinen, die mit oxidativem Stress verknüpft sind. Sie stehen im Verdacht, die Alterung zu beschleunigen. Oxidativer Stress hat hauptsächlich zwei Ursachen: chronische Entzündungen und defekte Mitochondrien, die schädliche Moleküle freisetzen.
„Hundertjährige weisen niedrigere Werte an solchen Proteinen auf als die durchschnittliche ältere Bevölkerung. Auf den ersten Blick erscheint dies kontraintuitiv. Jedoch bedeutet das, dass unsere Hundertjährigen aufgrund des deutlich geringeren oxidativen Stresses weniger antioxidative Proteine zur Abwehr benötigen“, erklärt Delhaes.
Ebenso gehörten zu den 37 Proteinen auch solche, die an der Krebsabwehr beteiligt sind, sowie einige, die den Stoffwechsel unterstützen oder gar optimieren. Nur in geringer Menge wurden Entzündungsproteine.
„Unsere Studie unterstreicht die Bedeutung eines gesunden Lebensstils, den wir alle aktiv beeinflussen können. Da die genetische Komponente der Langlebigkeit nur etwa 25 Prozent ausmacht, ist der Lebensstil im Erwachsenenalter ein entscheidender Faktor“, so das Fazit der Autoren.
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