Seit Wochen ist es an vielen Orten in Deutschland bitterkalt und auf vielen Gehwegen immer wieder gefährlich glatt. Eine erste Bilanz zeigt: In den Kliniken hat das zu Jahresbeginn für deutlich mehr Patienten gesorgt als im Vorjahreszeitraum, wie mehrere Häuser auf Anfrage mitteilen.
So wurden im Januar 2026 etwa bei Vivantes in Berlin in den sieben Rettungsstellen für Erwachsene und den Unfallchirurgien etwa 20 bis 30 Prozent mehr Verletzungen behandelt als im Vorjahr, wie eine Sprecherin mitteilte. Ein Großteil der Patienten konnte ihren Angaben nach ambulant versorgt werden, ein kleinerer Teil musste stationär aufgenommen werden. Auch jetzt noch seien die Unfallchirurgen stark mit Operationen zur Versorgung der zahlreichen Sturzverletzungen ausgelastet.
Zu diesen Verletzungen können Gehirnerschütterungen gehören. Wichtig ist, diese richtig einschätzen zu können. Experten des LMU Klinikums München und der ZNS-Stiftung – Hilfe für Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma haben für solche Situationen den sogenannten KEKS-Test entwickelt. Wofür die einzelnen Buchstaben stehen:
K steht für „Kopf“: So sind Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit Anzeichen für eine Gehirnerschütterung.
E steht für „Empfindlichkeit“: Schlechte Laune, Gereiztheit sowie Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen sind hier typische Symptome.
K steht für „Konzentration“: So sind Vergesslichkeit, ein Gefühl des Benebeltseins und generelle Konzentrationsprobleme Warnzeichen.
S steht für „Schlaf“: Müder als sonst – und irgendwie erschöpft? Auch ein verschlechterter Schlaf nach einer Kopfverletzung kann auf eine Gehirnerschütterung zurückzuführen sein.
Tritt eines oder gleich mehrere der Symptome nach einer Kopfverletzung auf, spricht das für eine Gehirnerschütterung. Dann gilt: zeitnah von einem Arzt abklären lassen.
1. Was passiert bei einer Gehirnerschütterung?
Macht der Kopf Bekanntschaft mit dem Boden, ist das zwar schmerzhaft, in den meisten Fällen aber unbedenklich. „Die leichteste Form des Kontakts ist die sogenannte Schädelprellung. Die betrifft das Gehirn nicht“, sagt Neurologe Frank Erbguth. Ist der Schlag jedoch so heftig, dass auch das Gehirn involviert ist, sprechen Mediziner von einem Schädel-Hirn-Trauma, das drei verschiedene Schweregrade haben kann.
Die leichteste und häufigste Form ist im Volksmund als Gehirnerschütterung bekannt. „Dabei wird das Gehirn an die Schädelwand gepresst, wobei Gehirnzellen kurzfristig in ihrer Funktion beeinträchtigt werden können. Salopp gesagt, ist das wie ein temporärer Softwareschaden“, sagt Erbguth.
In Deutschland gebe es Studien zufolge jährlich etwa 500.000 Schädelhirnverletzungen, sagt Neurochirurg Eckhard Rickels von der ZNS-Stiftung – Hilfe für Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma. Ungefähr 90 Prozent davon seien leichte Traumata.
2. Was sind typische Symptome?
Bei einem Schädel-Hirn-Trauma kommt es in der Regel zu Bewusstseinsstörungen. Das unterscheidet es per Definition von der einfachen Schädelprellung. Neben Bewusstlosigkeit oder Benommenheit können sich auch folgende Symptome zeigen:
- Kopfschmerzen
- Schwindel, Übelkeit, Erbrechen
- Erinnerungsstörungen
- plötzliches Schwitzen
- Kreislaufbeschwerden
- Licht- und Lärmempfindlichkeit
- Reizbarkeit
- Ermüdung
3. In welchen Situationen kommt es zu Gehirnerschütterungen?
Gehirnerschütterungen können überall dort passieren, wo von außen auf den Schädel eingewirkt wird. „Die Klassiker sind Sportverletzungen. Etwa 20 Prozent der Schädel-Hirn-Traumata resultieren aus dem Sport“, sagt Frank Erbguth. Auch Verkehrsunfälle oder Stürze im häuslichen Umfeld gehen häufig mit Schädelhirnverletzungen einher.
4. Ich vermute, mir eine Gehirnerschütterung zugezogen zu haben. Was tun?
„Das Wichtigste ist das Vermeiden von Tun“, sagt Frank Erbguth. Unmittelbar nach dem Erleiden einer Gehirnerschütterung brauchen Betroffene vor allem eines: Ruhe. Am besten über mehrere Stunden oder Tage und nicht nur wenige Minuten. „Taumelnd wieder aufs Fahrrad zu steigen, ist keine gute Idee“, sagt der Neurologe.
Nach Möglichkeit sollten sich Betroffene in einen abgedunkelten, ruhigen Raum legen und bestenfalls von einer Begleitperson betreut werden. Auch Bildschirmarbeit vermeidet man lieber.
Verliert man erneut das Bewusstsein oder muss sich wiederholt übergeben, ist Vorsicht geboten. „Das wären Warnzeichen, dass im Hirn etwas passiert ist, das über die Gehirnerschütterung hinausgeht“, sagt Erbguth.
5. Wann sollte ich in die Notaufnahme gehen?
Die Schwere von Kopfverletzungen ist für Laien oft nicht zweifelsfrei festzustellen. Aufmerksames Beobachten kann helfen. Halten die Beschwerden an, sollte man rasch den Weg in die Notaufnahme suchen. „In der Regel kann die Bewusstseinsstörung bis zu etwa 30 Minuten andauern. Bei länger anhaltenden Symptomen sollte sehr schnell ein Bild vom Gehirn gemacht werden“, sagt der Neurologe Frank Erbguth.
Neben anhaltenden Bewusstseinsstörungen, wiederkehrendem Schwindel oder Erbrechen seien auch Symptome wie Lähmungen oder Krampfanfälle deutliche Alarmzeichen. Dann gilt Eckhard Rickels zufolge: schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.
6. Was gilt bei Kindern und älteren Menschen?
Schlägt sich ein Kind den Kopf an, ist das Geschrei groß. Eltern fällt es dann oft schwer einzuschätzen, wie schlimm die Verletzung ist. Hinzu kommt, dass Kinder meist keine präzisen Auskünfte zu ihren Beschwerden geben können.
Beim Nachwuchs gilt also: „Die Schwelle zur Notaufnahme ist hier deutlich niedriger“, sagt Frank Erbguth. Ähnlich sieht es bei alten Menschen aus.
Bei ihnen spielt noch ein weiterer Faktor eine Rolle. Zwar heilt ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma auch in dieser Altersgruppe meist folgenlos aus. Doch weil das Gehirn im Alter etwas schrumpft und der Spalt zwischen Gehirn und Schädelwand größer wird, bergen Kopfverletzungen weitere Risiken.
Kommt es etwa zu Blutungen in diesem Bereich, kann es deutlich länger als bei Jüngeren dauern, bis Symptome auftreten – das sollte man wissen. Sie können von Lähmungen über Sprachstörungen bis hin zu Verlangsamungen reichen. „Es kann passieren, dass die Symptome dann mit denen eines Schlaganfalls verwechselt werden“, sagt Eckhard Rickels.
7. Kann es zu Spätfolgen kommen?
Ja, das ist möglich. In den allermeisten Fällen lassen die Symptome eines leichten Schädel-Hirn-Traumas innerhalb von wenigen Tagen nach. „Wer aber nach drei Monaten noch immer Symptome hat, gehört vielleicht zu den fünf Prozent der Betroffenen, die Spätfolgen entwickeln“, sagt Eckhard Rickels.
Wer langfristig unter Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder emotionaler Gereiztheit leidet, sollte in jedem Fall einen Facharzt aufsuchen und ein Bild des Gehirns beziehungsweise neuropsychologische Tests machen lassen, rät der Mediziner. „Dabei geht es auch darum, die Defizite zu benennen, um zu schauen, an welcher Stelle man weiterhelfen kann.“
Wer regelmäßig Gehirnerschütterungen erleidet oder innerhalb kurzer Zeit mehrfach betroffen ist, läuft eine deutlich größere Gefahr, Spätfolgen zu entwickeln. „Wiederholte Traumata können am Ende zu einer Art Demenzentwicklung oder Parkinson führen“, sagt Frank Erbguth.
8. Was kann man tun, um einer Gehirnerschütterung vorzubeugen?
Ganz und gar lassen sich Kopfverletzungen im Alltag wohl kaum verhindern. Dennoch gibt es Ratschläge, die man beherzigen kann. Darunter die Klassiker: beim Radfahren den Helm aufsetzen und im Auto unbedingt anschnallen.
Älteren Personen rät Neurochirurg Rickels, Stolperfallen zu beseitigen und eine möglichst hohe Sicherheit im Alltag zu gewährleisten. Und: In puncto Sport sollten Trainer und Eltern sensibilisiert mit dem Thema umgehen.
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