Voraussichtlich am Freitag, 13. Februar, wird die Astronautin Sophie Adenot an Bord der Dragon-Kapsel von SpaceX zur Internationalen Raumstation (ISS) starten – einem mehrmonatigen Aufenthalt, der ganz im Zeichen der Wissenschaft, des Abenteuers und der Forschung stehen wird.

Während einer Präsentation im Astronautenzentrum der Europäischen Weltraumorganisation in Köln erzählt die Französin davon, wie ungeduldig sie darauf wartet, endlich in den Weltraum fliegen zu können, auf den Spuren ihres großen Vorbilds, Claudie Haigneré, die 1996 als erste Französin ins All flog.

Frage: Frau Adenot, wie verbringen Sie die Zeit vor dem Start?

Sophie Adenot: Es werden sehr lange und intensive Wochen sein. Ich habe zunächst eine harte Trainingswoche vor mir, mit sehr vielen medizinischen Untersuchungen: Heute Morgen hat man mir beispielsweise 17 Blutproben hintereinander abgenommen, gefolgt von sportlichen Tests zur Messung meiner Muskelkraft, und das noch vor der Pressekonferenz. Dann folgen zwei Wochen Training mit der ganzen Mannschaft in der Crew Dragon, einem Simulator, um noch einmal sämtliche möglichen und vorstellbaren Szenarien vor dem Andocken an die Internationale Raumstation durchzuspielen.

Frage: Wo wird das sein?

Adenot: Das wird zum Teil in Houston erfolgen, aber auch in Cape Canaveral und bei SpaceX, wobei die Trainingseinheiten bis zu zwölf Stunden dauern können. Anschließend dann eine letzte Woche Training von Außenbord-Einsätzen im Schwimmbad. Es folgen 15 Tage Quarantäne, zum Teil in Houston und dann kurz vor Schluss noch am Startplatz in Cape Canaveral, um sicher sein zu können, dass wir in Topform an den Start gehen.

Frage: Es ist erst rund drei Jahre her, dass Sie für diesen Flug ausgewählt wurden. Hatten Sie erwartet, schon so schnell starten zu können?

Adenot: Ehrlich gesagt, nein. Ich glaube, man kann hier wirklich von einer Rekordzeit für das Training vor einem ersten Start zur ISS reden. Als ich 2022 nominiert wurde, war mir schon klar, dass es sehr intensiv werden würde. Ich hatte aber keine Ahnung, wie kompakt es dann wirklich ist: Die Termine, die Qualifikationstests, die Kurse, das Training, all das erfolgt so schnell hintereinander, und jedes Mal gilt es, eine neue Hürde zu bewältigen. Kaum hat man eine Qualifikation geschafft, muss man sich schon auf die nächste vorbereiten, und aufgrund dieses hohen Tempos waren die letzten drei Jahre wirklich sehr intensiv.

Frage: Sie haben viel über künftige Generationen gesprochen. Glauben Sie, dass sie jetzt auch anderen als Inspiration dienen werden, so wie Claudie Haigneré Sie inspiriert hat?

Adenot: Claudie Haigneré war für mich eine enorme Inspiration, so wie auch einige andere Personen, die mir dabei geholfen haben, durchzuhalten, wenn ich Mathematik oder Physik büffeln musste und das alles doch ein wenig mühsam war. Falls ich nun meinerseits auch nur einen Teil dieser Inspiration an Schülerinnen und Studentinnen weitergeben kann, an ein paar kleine Mädchen, die sich fragen, ob sie in diesem Beruf vielleicht eine Zukunft haben können, dann wäre das eine wirklich schöne Art und Weise, etwas zurückzugeben. Die Astronauten haben das große Glück, die Welt aus einer einzigartigen Perspektive betrachten zu dürfen, aus der sie sehen, wie schön und gleichzeitig zerbrechlich sie ist. Und wenn diese Aussicht eine neue Generation dazu bringt, unseren Planeten zu schützen und gleichzeitig ihre Träume zu verfolgen, dann hätte ich wirklich das Gefühl, einen Beitrag zu etwas geleistet zu haben, das weit über mich selbst hinausgeht.

Frage: Worauf freuen Sie sich am meisten: Die Erdkugel von oben zu sehen oder das leere Weltall zu betrachten?

Adenot: Da fällt die Wahl ziemlich schwer, weil ich all das ja noch nie erlebt habe, doch ich denke, dass ich von allem berührt sein werde, von kleinen Augenblicken und den großen Momenten. Natürlich fasziniert mich schon der Gedanke an die Aussicht auf die Erde von dort oben, ihre Kugelform, die Einzigartigkeit und die Zerbrechlichkeit dieses Planeten ohne Grenzen. Ich denke aber auch daran, dass ich vielleicht die Chance haben werde, die Luke für einen Außenbordeinsatz zu öffnen und dann die Erde direkt unter meinen Füßen zu sehen, inmitten dieser Leere rund um meinen Raumanzug. Da ist man dann zehn Stufen über allem, was man sich unten auf dem Boden überhaupt vorstellen kann. Ich glaube also, worauf ich mich am meisten freue, das ist diese Kombination: Der Blick durchs Bullauge, das Gefühl der Verbundenheit mit der Erde und vielleicht eines Tages diese extreme Erfahrung, dort draußen zu sein, im leeren Raum.

Frage: Dieses Jahr scheint ein Schlüsseljahr für die Weltraumforschung zu werden. Können Sie sich vielleicht auch schon den nächsten Traum vorstellen, den Mond?

Adenot: Im Moment konzentriere ich mich voll auf die nächste Etappe, die ja auch schon ein wichtiger Schritt ist: diese erste Mission zur ISS. Wir werden versuchen, uns nicht ablenken zu lassen, indem wir zu weit vorausdenken. Schließlich sind ja schon jetzt eine Unmenge an Dingen vorzubereiten und zu erleben, auf diesem ersten Flug. Sicher, ich fange mit der Raumfahrt in einer faszinierenden Zeit an, in der eine Rückkehr zum Mond geplant ist, und die nächsten zehn Jahre werden genauso aufregend sein, ganz egal, welche Rolle ich dann dabei übernehme: Ob ich nun eines Tages selbst zum Mond aufbreche oder anderen Astronauten bei der Vorbereitung helfe. Aber ich gehe das lieber Schritt für Schritt an, ohne mein Glück an etwas zu heften, das ich selbst nicht kontrollieren kann. Und dann werde ich ja sehen, was die Zukunft bringt.

Frage: Sie starten zusammen mit zwei Amerikanern und einem Russen ins All, also einem durchaus explosiven internationalen Szenario. Befürchten Sie nicht, dass alles, was da aufgebaut wurde, in den nächsten Monaten zusammenbrechen könnte?

Adenot: Es ist schon richtig, dass die internationale Lage derzeit recht eigenartig ist, und wir wissen auch, dass politische Entscheidungen Einfluss auf Raumfahrtprogramme haben können. Doch die ISS zeigt schon seit 25 Jahren, dass sie auch schwere Krisen überstehen kann: Wir haben gelernt, zusammenzuarbeiten – Russen, Amerikaner und Europäer – und wirklich schöne Dinge zu erreichen, trotz der Spannungen auf der Erde. Meine Philosophie ist, mein Glück nicht von Dingen abhängig zu machen, die ich nicht kontrollieren kann. Ich ziehe es vor, alles Schritt für Schritt anzugehen, meine Arbeit als Astronautin mit meinem Team so gut wie möglich zu machen und es den verantwortlichen Politikern zu überlassen, sich um das zu kümmern, was in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Und wenn diese Zusammenarbeit allen Widerständen zum Trotz weiterhin Bestand hat, dann wäre das ein sehr starkes Signal für künftige Generationen: Wir sind auch dann in der Lage, Brücken zu bauen und zu bewahren, wenn alles andere zu zerbrechen scheint.

Frage: Haben Sie eine Botschaft an die kleinen Mädchen, die wie Sie davon träumen, eines Tages Astronautin zu werden?

Adenot: Schritt für Schritt vorwärtszugehen und auch dann dranzubleiben, wenn einem der Weg sehr lang zu sein scheint. Es gibt nicht den geringsten Grund, warum Frauen nicht ins All reisen oder Weltraumberufe ergreifen sollten: Diese Berufe waren uns eine lange Zeit verschlossen, doch das ist heutzutage nicht mehr der Fall. Fünfzig Prozent der Bevölkerung sind Frauen, es gibt also nicht den geringsten Grund, warum sie nicht auch 50 Prozent der Forscher, Wissenschaftler, Ingenieure und Piloten ausmachen sollten. Man muss nur den Mut haben, an seine Träume zu glauben und alle Sparten im Bereich Raumfahrt erkunden, denn es gibt sehr viele Möglichkeiten und Wege, um an diesem großen Abenteuer teilzunehmen.

Die Französin Sophie Marie Laurence Adenot (geboren 1982) ist Ingenieurin, Pilotin und Astronautin. Sie ist Oberstleutnant der französischen Luftstreitkräfte und die erste Hubschrauber-Testpilotin Frankreichs. Im Februar soll sie zur Internationalen Raumstation fliegen.

Dieses Interview erschien zuerst im „Le Figaro“, wie WELT Mitglied der „Leading European Newspaper Alliance“ (LENA). Übersetzt aus dem Französischen von Bettina Schneider.

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