Fliegen ist ein wahrer Kraftakt. Im Vergleich zu Gehen, Schwimmen oder Laufen verbraucht der Flügelschlag in der Luft am meisten Kalorien. Vögel mussten demnach Strategien entwickeln, Nahrung bestmöglich zu verdauen, um viel Energie daraus zu gewinnen.

Eine neue Studie des ältesten bekannten Vogels, Archäopteryx, zeigt, dass einige der ungewöhnlichsten Merkmale des Vogelmauls – etwa zusätzliche Zungenknochen, eine empfindliche Schnabelspitze und fleischige „Zähne“ am Gaumen – bis in die Jurazeit zurückreichen.

Diese Erkenntnisse lieferte ein Fossil, das 1990 von einer Privatperson in der Nähe von Solnhofen, in Süddeutschland gefunden wurde. Im Jahr 2022 händigte der Fossiliensammler seinen Fund an das Naturkundemuseum in Chicago aus. Drei Jahre später begannen Forscher die Knochen zu untersuchen. Über ein Jahr dauerte es, bis das Forscherteam die oberste Kalksteinschicht abgetragen und das Fossil freigelegt hatte.

Während der Präparation des Fossils bemerkten die Forscher ungewöhnliche mikroskopische Merkmale im Schädel des Vogels. „Ich erinnere mich, dass sie mich riefen und sagten: ‚Jingmai, wir haben etwas Seltsames gefunden, komm mal her‘“, wird Hauptautorin der Studie Jingmai O’Connor in einer Mitteilung zitiert.

Sie ist Kuratorin für fossile Reptilien am „Field Museum“ in Chicago, in dem der Archäopteryx ausgestellt ist. „Sie zeigten mir diese winzigen, leuchtenden Punkte, und ich wusste nicht, was wir da sahen.“ Die Forschungsarbeit wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „The Innovation“ veröffentlicht. Diese Merkmale, die bei den meisten heute lebenden Vögeln noch vorhanden sind, deuten darauf hin, dass die Fähigkeit, Nahrung besonders gut zu finden, zu greifen und zu verarbeiten, der Schlüssel zum Überleben in der Luft sein könnte.

„Stellen Sie sich vor, die Haut an Ihrem Gaumen wäre mit unzähligen Reihen winziger, fleischiger Kegel bedeckt – genau das haben Vögel, und sie heißen Mundpapillen“, so O’Connor. Diese fleischigen Kegel sehen fast wie Zähne aus und helfen Vögeln beim Fressen: Die Papillen leiten die Nahrung in den Rachen und verhindern, dass sie in die Luftröhre gelangt.

Die Forscher entdeckten im Schädel von Archäopteryx mehrere weitere Merkmale, die bei dieser Art noch nie zuvor beobachtet worden waren. Sie stießen auf einen winzigen Knochensplitter, der sich als Zungenknochen herausstellte. Die menschliche Zunge enthält keine Knochen, die meisten Vögel hingegen besitzen ein Knochengerüst, das die zentrale Struktur ihrer Zunge bildet. Diese Knochen bieten zusätzliche Ansatzpunkte für Muskeln, wodurch die Zunge flexibel ist und Vögeln ermöglicht, Nahrung zu erreichen und zu zerkleinern.

Der Archäopteryx lebte vor etwa 150 Millionen Jahren im heutigen Deutschland. Der fliegende Dinosaurier ist der Urvater des heute lebenden Vogels. Damit sind die Vögel die einzigen vom Dinosaurier abstammenden Tiere, die das Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren überlebt haben.

„Diese ungewöhnlichen kleinen Merkmale im Maul von Archäopteryx, die auch bei lebenden Vögeln vorkommen, liefern uns neue Kriterien, anhand derer wir feststellen können, ob ein Dinosaurierfossil zu einem Vogel gehört oder nicht“, wird O’Connor zitiert.

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