Den Moment kennen die meisten: Kaum betritt man nach Feierabend das Eigenheim, verfliegen die guten Vorsätze fürs Abendprogramm. Der Plan, zum Sport zu gehen, scheitert auf dem Sofa. Das gestresste Gehirn folgt dem Reflex, den Körper zu schonen: statt sich zu bewegen, lieber hinlegen. Doch trotz Ruhe tobt der Stress im überreizten Gehirn weiter. Woran liegt das?
Fehlt dem Körper Bewegung, bleibt das Stresslevel bestehen – und kann chronisch werden. Diesen Zusammenhang belegten Forscher der Universität Oulu (Finnland) und des Oulu Deaconess Institute Foundation in einer Studie. „Die Ergebnisse legen nahe, dass die Bedeutung körperlicher Aktivität nicht auf einzelne Lebensphasen beschränkt ist; vielmehr kann regelmäßige Bewegung während des gesamten Erwachsenenalters den Körper vor den schädlichen Auswirkungen von chronischem Stress schützen“, betonte Doktorandin Maija Korpisaari.
Für die Untersuchung begleiteten die Wissenschaftler über 3300 Menschen der Nordfinnischen Geburtskohorte – einer finnischen Langzeitbevölkerungsstudie –im Alter von 31 bis 46 Jahren. Das Forschungsteam beobachtete die körperliche Aktivität der Teilnehmer und verglich diese mit den Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Laut WHO sollten Menschen zwischen 18 und 64 Jahren wöchentlich mindestens 150 Minuten mäßig intensive körperliche Aktivität oder 75 Minuten intensiv körperliche Aktivität ausüben. Für zusätzliche gesundheitliche Vorteile können Ambitionierte die moderate Aktivität auf 300 Minuten pro Woche steigern, heißt es auf der Website der WHO. Und weiter: muskelkräftigende Übungen sollten an mindestens zwei Tagen pro Woche auf dem Plan stehen.
In der Studie bestimmten die Forscher anhand von 14 Bio-Markern zusätzlich den Zustand des kardiovaskulären, metabolischen, immunologischen und endokrinen Systems. Anhand dieser Werte konnten die Experten bestimmen, ob ein Proband an chronischem Stress litt oder nicht.
Der Vergleich der beiden Probandengruppen zeigt: Teilnehmer, die vom frühen Erwachsenenalter bis ins mittlere Lebensalter (31 bis 46 Jahren) körperlich dauerhaft inaktiv waren, hatten ein rund 18 Prozent höheres Risiko für eine erhöhte Stressbelastung als Personen, die über diesen Zeitraum hinweg stabil körperlich aktiv blieben. Auch bei Personen, deren körperliche Aktivität im Laufe der Jahre abnahm, zeigte sich ein erhöhtes Risiko: Ihr Risiko für chronischen Stress lag etwa zehn Prozent höher als das der dauerhaft Aktiven.
Bewegung ist demnach ein Schlüsselfaktor, um sich vor Stress und dessen Folgen zu schützen. Das Problem: Chronisch Gestresste neigen eher dazu, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Adipositas, Depressionen und Angstzuständen zu erkranken.
Regelmäßige Bewegung kann den Cortisolspiegel senken – besonders, wenn sie langfristig beibehalten wird. Den Forschern zufolge sind jedoch weitere Längsschnittstudien erforderlich, um zu verstehen, wie sich körperliche Aktivität in verschiedenen Lebensphasen auf die Stresssysteme des Körpers auswirkt.
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