Menschen, die Medikamente zum Abnehmen wie Mounjaro oder Wegovy absetzen, legen ihr verlorenes Gewicht offenbar deutlich schneller wieder zu als Personen, die nach klassischen Diäten oder Trainingsprogrammen aufhören. Darauf deutet eine neue wissenschaftliche Auswertung hin.
Eine im Fachmagazin „British Medical Journal“ veröffentlichte Analyse zeigt: Mit den Injektionen verlieren stark Übergewichtige zwar massiv an Gewicht – im Durchschnitt rund 20 Prozent ihres Körpergewichts –, nach dem Absetzen kehren die Kilos jedoch rasch zurück. Monatlich kommen im Schnitt etwa 0,8 Kilogramm hinzu. In diesem Tempo erreichen viele Betroffene ihr ursprüngliches Gewicht bereits nach rund 18 Monaten wieder.
„Menschen, die diese Medikamente kaufen, müssen sich des Risikos einer schnellen Gewichtszunahme nach dem Ende der Behandlung bewusst sein“, warnte Susan Jebb, Vorsitzende der britischen Food Standards Agency und Professor für Ernährung und Bevölkerungsgesundheit an der Universität Oxford, die an der Untersuchung beteiligt war, gegenüber der BBC.
Zugleich weist sie darauf hin, dass sich die Ergebnisse auf kontrollierte Studien stützen und nicht auf Alltagsbeobachtungen. Um belastbare Aussagen zu treffen, seien Langzeitdaten aus der Praxis notwendig.
Für ihre Analyse werteten die Forscher insgesamt 37 Studien mit mehr als 9000 Teilnehmern aus und verglichen die Effekte der neuen Abnehmspritzen mit herkömmlichen Diäten oder anderen Medikamenten. Lediglich acht dieser Studien befassten sich mit den neueren GLP-1-Wirkstoffen wie Wegovy oder Mounjaro. Zudem endete die Nachbeobachtung spätestens ein Jahr nach dem Absetzen der Präparate – entsprechend vorsichtig sind diese Zahlen zu interpretieren.
Wer ohne Medikamente abnimmt, verliert zwar meist weniger Gewicht, nimmt danach aber langsamer wieder zu. Im Durchschnitt liegt die monatliche Zunahme bei etwa 0,1 Kilogramm, wobei die Spannbreite groß ist, so die Forscher.
Abnehmspritzen sind zugelassen für Menschen mit starkem Übergewicht, ab einem Body-Mass-Index von 30, beziehungsweise 27 – bei zusätzlichen Gesundheitsproblemen, wie etwa Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen. Nicht empfohlen sind sie dagegen für Personen, die lediglich kosmetisch abnehmen möchten. Zudem sollen die begleitenden Ärzte die medikamentöse Behandlung immer mit Maßnahmen wie ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung kombinieren, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen.
Hungergefühl kommt schlagartig wieder
Angesichts der hohen Rückfallquote vertreten viele Fachleute inzwischen die Ansicht, dass es sich um eine dauerhafte Therapie handeln müsse. Menschen, die die Spritzen abgesetzt haben, beschreiben es, „als würde ein Schalter umgelegt – und man ist sofort ausgehungert“.
Eine Betroffene sagte gegenüber der BBC: „Es war, als hätte sich in meinem Kopf etwas geöffnet und gesagt: Iss alles. Los, du hast es verdient, schließlich hast du so lange kaum gegessen“.
Der Ernährungsexperte Adam Collins von der Universität Surrey erklärte, dass die Wirkmechanismen der Medikamente eine solche Reaktion plausibel machen. Die Präparate greifen in das Hunger- und Sättigungssystem ein, indem sie das Hormon GLP-1 nachahmen, das normalerweise das Essverhalten reguliert.
„Wenn über längere Zeit künstlich GLP-1-Spiegel verabreicht werden, die ein Vielfaches des Normalwerts betragen, könnte der Körper weniger eigenes GLP-1 produzieren oder weniger empfindlich darauf reagieren“, sagte Collins der BBC. „Während der Einnahme fällt das kaum auf. Wird das Medikament jedoch abgesetzt, fehlt diese Bremse plötzlich – und unkontrolliertes Essen wird wahrscheinlicher.“
Ein abruptes Ende der Behandlung sei daher besonders schwer zu verkraften. „Das verschärft sich noch, wenn Betroffene sich ausschließlich auf GLP-1 verlassen haben – also den Appetit künstlich unterdrückt wurde, ohne dass sich nachhaltige Ernährungs- oder Verhaltensänderungen etabliert haben“, ergänzte Collins.
Schätzungen von Forschern des University College London zufolge haben im vergangenen Jahr rund 1,6 Millionen Erwachsene in Großbritannien entsprechende Injektionen genutzt, überwiegend über private Rezepte. Weitere 3,3 Millionen Menschen in Großbritannien können sich vorstellen, in den kommenden zwölf Monaten zu sogenannten „Abnehmspritzen“ zu greifen.
Ernährung langfristig umstellen
Zusammengenommen entspricht das etwa zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung, wie repräsentative Umfragen Anfang 2025 zeigen, die von Cancer Research UK finanziert wurden. Frauen nutzten die Präparate etwa doppelt so häufig wie Männer, besonders verbreitet waren sie bei Menschen zwischen 40 und 59 Jahren.
Der Stoffwechselmediziner Naveed Sattar von der Universität Glasgow verwies darauf, dass die Medikamente trotz aller Risiken gesundheitliche Vorteile haben könnten, da sie rasch zu Gewichtsverlust führen.
„Es ist plausibel, dass ein geringeres Körpergewicht über zwei bis drei Jahre – selbst bei zeitlich begrenzter Anwendung – Schäden an Gelenken sowie am Herz-Kreislauf- und Nierensystem verlangsamen kann.“ Um das sicher zu beurteilen, brauche es jedoch größere und längere Studien. Entscheidend sei zudem: Wer die Medikamente über mehrere Jahre einnimmt, kann ein deutlich niedrigeres Gewicht halten. Ein Effekt, der bei rein lebensstilbasiertem Abnehmen häufig nicht anhält.
Eine Sprecherin des Herstellers Eli Lilly betonte, dass Abnehmmedikamente stets Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts sein müssten, das Ernährung, Bewegung und ärztliche Kontrolle einschließt. „Wird die Behandlung beendet, kann das Gewicht zurückkehren. Das spiegelt jedoch die Biologie der Erkrankung wider, nicht mangelnde Disziplin.“
Auch Novo Nordisk, der Hersteller von Wegovy, sieht sich durch die Daten bestätigt: „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Adipositas eine chronische Erkrankung ist. Um Verbesserungen bei Gewicht und Gesundheit zu erhalten, ist eine dauerhafte Behandlung nötig, vergleichbar mit der Therapie von Diabetes oder Bluthochdruck.“
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